Die  Auseinandersetzung  mit  GEsterreich.  419

Könige  wurden  indes  nicht  unterbrochen,  und  auch  die  Truppen  marschierten
  wacker  vorwärts:  die  Erste  Armee  rückte  über  Brünn,  die  Elbarmee
über  Iglau  direkt  auf  Wien  los,  während  die  zweite  Armee  sich  zunächst.
nach  Olmütz  wandte,  wo  Benedek  mit  seinen  schwer  getroffenen  Corps
in  einem  verschanzten  Lager  Zuflucht  gesucht  hatte.  Das  Corps  von
Gablenz  jedoch  und  eine  Kavalleriedivision  war  nach  Wien  entsandt
worden,  um  den  Bau  der  Florisdorfer  Schanzen  und  damit  den  Donauübergang
  zu  decken.  Denn  ein  Teil  der  österreichischen  Südarmee  war
schon  im  Anmarsch  auf  Wien.  Um  nun  für  diesen  Seit  zu  gewinnen,
erschien  Gablenz  zum  zweitenmal,  um  Waffenstillstand  zu  bitten,  als
Harlamentär  im  preußischen  Zauptquartier.  Allein  der  König  durchkreuzte
diesen  Gedanken  der  Esterreicher,  indem  er  als  Dorbedingung  einer
Waffenruhe  die  Forderung  aufstellte,  daß  sämtliche  Truppen  während  derselben
  ihre  Bewegungen  einstellten.  Das  aber  lehnten  die  Esterreicher  ab.

Von  Hardubitz  rückte  das  Zauptquartier  über  Hohenmauth  nach
Swittau  vor.  Im  Begriff,  am  Morgen  des  12.  Juli  nach  Czernahora
weiterzufahren,  erhielt  der  König  die  Meldung,  daß  der  französische
Botschafter  in  Berlin,  Benedetti,  eingetroffen  wäre.  In  der  Nacht  war
er  angelangt  und  völlig  überraschend  bei  Bismarck  eingetreten.  Bismarck
saß  in  seinem  Quartier,  einem  öden,  verlassenen  Rause,  bei  spärlichem
Lichte,  den  Revolver  neben  sich,  noch  schreibend  am  Tische,  als  der  späte
Besuch  ihm  gemeldet  wurde.  Bis  um  4  Uhr  dauerte  das  Gespräch.  Am
Morgen  empfing  der  König  den  Botschafter;  allein  er  hatte  schon  vor
fünf  Tagen  durch  den  Hrinzen  Reuß  dem  KNaiser  Napoleon  seine  Antwort
  gesandt:  ein  weiteres  Eingehen  hielt  er  für  unzulässig.  Er  fuhr
daher  noch  am  Dormittage  nach  Czernahora  weiter,  wo  er  abends  um
7  Uhr  anlangte  und  im  Schlosse  des  Grafen  Fries  Quartier  nahm.  Ein
verwandter  des  Schloßherrn,  bei  Skalitz  durch  beide  Arme  geschossen,  lag
noch  in  dem  Schlosse.  Su  ihm  war  des  Rönigs  erster  Gang.  Geduldig
wartete  er  an  der  Thür  des  Krankenzimmers,  bis  drinnen  aufgeräumt
war;  denn  er  wollte  den  Kranken  nicht  in  Derlegenbeit  setzen.  Dann
sandte  er  ihm  sofort  den  eigenen  Leibarzt,  des  Derwundeten  Schmerzen
zu  lindern.

Schon  am  folgenden  Tage  wurde  das  Rauptquartier,  den  Truppen
folgend,  nach  Brünn  verlegt.  Am  ersten  Hause  der  mährischen  Rauptstadt
  erwartete  den  König  eine  Abordnung  der  Bürgerschaft,  an  der
Spitze  der  Bürgermeister  Giskra  und  der  Bischof  Graf  Schaffgotsch.  Sie
war  gekommen,  um  Schonung  der  Stadt  zu  bitten.  Der  König  mit  dem

neben  ihm  sitzenden  Großherzoge  von  Mecklenburg-Schwerin  verließ  den
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