Die  Auseinandersetzung  mit  Gsterreich.  421

Fenster  gestellt,  weil  es  ihnen  so  befohlen  war,  aber  die  Juden  hatten
es  so  reichlich  gethan,  daß  man  meinen  konnte,  sie  hätten  aus  Freuden
ihre  ärmlichen  Vorstadtgassen  so  strahlend  erleuchtet.

In  Mikolsburg  war  es  nun,  wo  nach  dem  glänzend  durchgeführten
militärischen  Feldzuge  ein  diplomatischer  sich  entwickelte,  der  in  wenigen
Tagen  nicht  minder  erfolgreich  durchgeführt  wurde  als  jener.  König
Wilhelm  war  fest  entschlossen,  nur  einen  den  großen  Erfolgen  seiner
Waffen  entsprechenden  Frieden  zu  schließen.  In  der  Depesche  des  Kaisers
Mapoleon  sah  er  aber  einen  Dersuch,  die  Früchte  seines  großen  Sieges
ihm  zu  kürzen.  Daher  ließ  er  sich  auf  den  empfohlenen  Waffenstillstand
nicht  ein,  sondern  strebte  unablässig  auf  Wien  zu.  Das  war  für  Napo—
leon  eine  höchst  empfindliche  Tiederlage:  er  begriff  schnell  selber,  daß  er
durch  seine  Depesche  sich  allzu  sehr  auf  die  Seite  Gsterreichs  gestellt
hatte,  und  verlangte  nun  mit  Ungeduld  aus  dieser  schiefen  Stellung  heraus.
Shrlich  genug  bekannte  er  dem  Grafen  Goltz,  dem  preußischen  Botschafter
in  Haris,  daß  die  Depesche,  die  er  am  4.  Juli  an  König  Wilhelm  gerichtet,
  ein  großer  Fehler  gewesen  wäre,  und  bat  nun  um  Mitteilung  der
Bedingungen,  unter  denen  Hreußen  den  Waffenstillstand  zu  gewähren
bereit  sei:  man  würde  sich  darüber  verständigen.  Hrinz  Reuß  brachte
diese  denn  auch:  die  Waffenruhe  halte  König  Wilhelm  nur  für  möglich
mit  Gustimmung  Jtaliens  und  mit  der  Gewähr,  daß  sie  wirklich  zum
Frieden  führe.  König  Wilhelm,  obgleich  entrüstet  über  Tapoleons  unberufene
  Einmischung,  wünschte  doch  die  Möglichkeit  eines  gleichzeitigen
Krieges  gegen  Esterreich  und  Frankreich  zu  vermeiden.  Denn  wenn  auch
die  militärischen  Streitkräfte  Frankreichs,  durch  den  Krieg  in  Alexiko  sehr
geschwächt,  nicht  eben  furchtbar  waren,  so  konnte  ihnen  doch  der  Anschluß
der  Streitkräfte  Süddeutschlands  eine  sehr  beachtenswerte  Stärke  geben.
Er  war  daher  entschlossen,  das  französische  Selbstgefühl  so  weit  zu  schonen,
wie  es  mit  der  Ehre  Deutschlands  und  mit  dem  Interesse  Hreußens  nur
irgend  verträglich  wäre.  Demgemäß  sandte  auf  seinen  Befehl  Graf
Bismarck  durch  einen  Feldjäger  an  den  Grafen  Goltz  die  preußischen
Forderungen:  Ausscheiden  Gsterreichs  aus  dem  Deutschen  Zunde,  Suprematie
  Hreußens  in  Deutschland,  endlich  Annexion  Sachsens  und  der  norddeutschen
  Gegner  Hreußens  und  Sahlung  der  Kriegskosten.  Als  ein
Schreckbild  würde  der  öffentlichen  Aleinung  Frankreichs,  meinte  Mapoleon,
  das  einige  deutsche  Reich  unter  Hreußens  Führung  erscheinen;  auch
gegen  die  Einverleibung  des  dänisch  redenden  Nordschleswig  hatte  er
Bedenken.  Man  müsse  demnach  Süddeutschland  unabhängiger  stellen,
als  der  preußische  Reformplan  vorschreibe,  und  den  Mordschleswigern  die