422  Siebentes  Kapitel.

Entscheidung  über  ihr  Schicksal  überlassen.  Im  übrigen  bezeichnete  er
die  preußischen  Annexionen  als  ihm  „gleichgültig.“

Auf  die  Einladung  des  Kaisers  schrieb  nun  Graf  Goltz  das  Ergebnis
der  Unterredung  nieder:  „Osterreich  erkennt  die  Auflösung  des  alten
Deutschen  Bundes  an  und  widersetzt  sich  nicht  einer  neuen  Organisation
Deutschlands,  an  der  es  keinen  Teil  nimmt.  Preußen  bildet  eine  Union
Norddeutschlands,  welche  alle  Staaten  nördlich  des  Main  umfaßt;  es
wird  den  Befehl  über  die  Truppen  derselben  erhalten.  Die  deutschen
Staaten  südlich  vom  Wain  haben  die  Freibeit,  unter  sich  eine  süddeutsche
Union  zu  schließen,  die  eine  internationale,  unabhängige  Stellung  genießt.
Die  zwischen  der  nördlichen  und  der  südlichen  Union  zu  erhaltenden
nationalen  Bande  werden  durch  freies,  gemeinsames  Einverständnis  geregelt.
  Die  Elbherzogtümer  werden  mit  Hreußen  vereinigt  außer  den
Bezirken  Nordschleswigs,  falls  deren  Sinwohner  in  freier  Abstimmung
die  Rückabtretung  an  Dänemark  wünschen  würden.  Esterreich  und  dessen
Derbündete  ersetzen  Dreußen  die  Kriegskosten.“  Mit  dieser  Friedensgrundlage
  erklärte  sich  der  Kaiser  am  14.  Juli  völlig  einverstanden,  nur
in  der  letzten  Seile  änderte  er,  um  Ssterreich  nicht  abzuschrecken,  „einen
Teil  der  Kriegskosten."  Die  Annexionen  hatte  Goltz  absichtlich  weggelassen:
er  wollte  NMapoleons  Begehrlichkeit  nicht  wecken.  Und  so  sehr  war
Mapoleon  mit  diesem  gewonnenen  Einverständnis  zufrieden,  daß  er  es
noch  in  derselben  Stunde  an  König  Wilhelm  wie  an  Kaiser  Franz
Joseph  mit  dem  dringenden  Ersuchen  telegraphierte,  auf  dieser  Grundlage
  nunmehr  den  Waffenstillstand  abzuschließen.  Auch  Benedetti,  der
noch  in  Brünn  weilte,  erhielt  den  Befehl,  sich  sofort  nach  Wien  zu  begeben,
  um  dort  zusammen  mit  dem  Herzoge  Gramont,  dem  französischen
Botschafter,  auf  raschen  Friedensschluß  zu  dringen.  Sehr  wesentlich
unterstützte  sie  dabei  das  mutige  Dordringen  der  JZtaliener,  die  gegen
Tapoleons  Befehl  das  jetzt  französische  Denetien  besetzten  und  auch
Welschtirol  zu  gewinnen  trachteten,  so  daß  Ssterreich  von  seiner  Südarmee
  kaum  die  Hälfte,  um  Wien  gegen  die  Hreußen  zu  schützen,  heran—
ziehen  konnte.

Im  preußischen  Zauptquartier  in  Nikolsburg  dagegen  nahm  man
die  französische  Kriedensgrundlage  vom  14.  Juli  nur  mit  Mißtrauen  auf;
man  argwöhnte,  daß  Napoleon,  wenn  man  sie  annähme,  noch  mit  irgend
welchen  Kompensationsforderungen  hervortreten  würde.  Es  schien  also
ratsam,  eine  direkte  Derhandlung  mit  Osterreich  zu  versuchen.  Natürlich
konnte  diese  nur  dann  Aussicht  auf  Erfolg  haben,  wenn  man  Gsterreich
günstigere  Bedingungen  anbot,  als  sie  ihm  der  napolecnische  Dorschlag