Die  Auseinandersetzung  mit  sterreich.  423

vom  14.  Juli  gewährte.  König  Wilhelm  legte  überhaupt  auf  die  geplanten
  Annexionen  mehr  Gewicht,  als  auf  die  Einengung  Esterreichs.
Demgemäß  wurde  der  Hräsident  des  Brünner  Handelsgerichtes,  Baron
von  Berring,  nach  Wien  mit  der  Srklärung  gesandt,  daß  Hreußen  bereit
  wäre,  sofort  in  Brünn  mit  GEsterreich  Frieden  zu  schließen.  Es  böte
an,  daß  Csterreichs  gesamtes  Gebiet  außer  Denetien  unversehrt  bleiben,
die  Grenze  für  die  preußische  Horherrschaft  in  Deutschland  der  Main
bilden,  die  süddeutschen  Staaten  freie  Hand  behalten  und  es  Osterreich
überlassen  bleiben  solle,  sich  mit  denselben  in  beliebige  Derbindung  zu
setzen,  dazu  verzichtete  es  auf  alle  Kriegskosten.  Dies  Anerbieten  Dreußens
verursachte  anfangs  in  Wien  helle  Freude,  und  Gramont  erkannte  aus
den  Bedingungen  den  Gedanken  König  Wilhelms,  den  besiegten  Gegner
jetzt  zum  verbündeten  Freunde  zu  gewinnen.  Um  so  mehr  setzte  er
mit  Benedetti  alles  daran,  die  Mission  Berrings  zu  vereiteln,  und  erreichte
  auch  durch  die  Drohung,  daß  Frankreich  sonst  Gsterreich  seinem
Schicksal  überlassen  würde,  daß  Kaiser  Franz  Joseph  nicht  das  Anerbieten
  Dreußens,  sondern  das  französische  Drogramm  vom  14.  Juli
annahm.

Mit  diesem  Drogramm  indessen  war  König  Wilhelm  sehr  wenig
zufrieden.  Er  sah  in  den  in  Aussicht  genommenen  Annexionen  eine
Notwendigkeit:  nur  durch  sie  konnte  Hreußen  ein  geschlossenes  Staatsgebiet
  und  diejenige  militärische  und  finanzielle  Stärkung  gewinnen,  die
ihm  die  Führerschaft  Deutschlands  wenigstens  für  die  Sukunft  gewährleistete.
  Ja,  in  einem  Alomente  der  DHerstimmung  sagte  er:  „Ich  will
lieber  abdanken,  als  ohne  bedeutenden  Ländererwerb  für  Dreußen  zurückkehren.“
  Und  nun  stand  in  dem  französischen  Drogramm  nichts  von
Annexionen!  Er  verlangte  daher  die  Unterstützung  Mapoleons  für  dieselben,
  bevor  er  selbst  das  französische  Drogramm  annehmen  und  es  dem
verbündeten  Jtalien  empfehlen  könne.  Umgehend  traf  denn  auch  durch
Hermittelung  des  Grafen  Goltz  die  Sustimmung  Napoleons  zu  den
preußischen  Annexionen  telegraphisch  in  Tikolsburg  ein.  Das  genügte
indessen  dem  Könige  noch  nicht:  er  verlangte  die  ausdrückliche  Anerkennung
  und  Empfehlung  der  Annexion  nicht  bloß  der  Slbherzogtümer,
sondern  auch  Bannovers,  Sachsens,  Kurhessens,  Nassaus  und  der  Stadt
Frankfurt  durch  eine  Erklärung  des  Kaisers  Mapoleon.  Doch  verstattete
er  die  vorläufige  Eröffnung  der  verhandlungen  mit  Gsterreich  und  bewilligte
  vom  Mittage  des  22.  Juli  ab  eine  fünftägige  Waffenruhe.
Infolgedessen  mußte  das  für  Hreußen  siegreiche  Gefecht  von  Blumenau
abgebrochen  werden,  und  die  österreichische  Zevollmächtigten  Graf  Karolyi,