424  Siebentes  Kapitel.

Baron  Brenner  und  Graf  Degenfeld  stellten  auf  dem  alten  Schlosse
zu  Vikolsburg  sich  ein.

Am  WMorgen  des  25.  Juli  langte  auch  die  von  König  Wilhelm  verlangte
  Erklärung  Napoleons  an,  daß  er  die  preußischen  Annexionen  als
billig  anerkenne  und  empfehle.  Damit  war  nun  die  Grundlage  gegeben,
die  Verhandlungen  rasch  zu  fördern;  mit  gewohnter  Energie  brachte
Graf  Bismarck  sie  in  Gang.  Nur  zwei  Einwendungen  erhoben  die  Be—
vollmächtigten  Esterreichs:  sie  verlangten  die  Herabminderung  der  auf
55  Millionen  Thaler  angesetzten  Kriegskosten  und  erklärten  es  für  eine
Shrensache  des  Kaiserstaates,  Sachsen,  das  als  opferwilliger  Bundesgenosse
  Seite  an  Seite  mit  ihm  gekämpft,  die  volle  Unverletztheit  des
Gebietes  und  Selbständigkeit  zu  erhalten.  Die  Herabsetzung  der  baren
Kriegskosten  auf  20  Millionen  bewilligte  König  Wilhelm  ohne  weiteres,
dagegen  bestand  er  darauf,  wenn  er  auch  den  Gründen  Kaiser  Franz
Josephs  seine  Anerkennung  nicht  versagte,  daß  von  Sachsen  wenigstens
die  Kreise  Leipzig  und  Bautzen  an  Hreußen  abgetreten  würden.  Denn
seit  Jahren  hatte  die  sächsische  Regierung  gegen  Hreußen  gehetzt  und
gewühlt.  Der  Gerechtigkeitssinn  des  Königs  lehnte  sich  dagegen  auf,
Sachsen  ganz  ohne  Strafe  dafür  zu  lassen;  ja  er  sah  eine  Gefahr  für
die  Sukunft  darin.  Da  traf  am  Morgen  des  24.  aus  St.  Hetersburg
eine  Depesche  in  Nikolsburg  ein,  in  welcher  der  dortige  preußische  Botschafter
  von  Redern  meldete,  daß  der  Kaiser  Alexander  den  Susammen-=tritt
  eines  europäischen  Kongresses  lebhaft  betreibe;  denn  der  Friedensschluß
  zwischen  Hreußen  und  Esterreich  dürfe  nicht  ohne  die  Sustimmung
Europas  geregelt  werden.  In  kürzester  Frist,  fügte  Redern  hinzu,  werde
die  Einladung  zu  dem  Kongresse  in  Nikolsburg  eintreffen.

Was  sollte  der  König  thun  ?  Konnte  er  die  Bemessung  des  preußischen
  Siegespreises  der  Entscheidung  der  neidischen  Großmächte  überlassen  ?
Bismarck,  der  getreue  Berater,  riet,  die  Hräliminarverhandlungen  mit
Esterreich  schleunigst  zum  Abschlusse  zu  bringen,  damit  der  Kongreß  der
vollendeten  Thatsache  sich  gegenüber  sähe.  Denn  sicher  würde  er  größere
Entsagung  Dreußen  zumuten,  als  nur  auf  Sachsen  zu  verzichten.  Der
König  beschied  den  Kronprinzen  von  dessen  Hauptquartier  in  Schloß
Eisgrub  zu  sich.  Ghne  alle  Seugen  besprach  er  mit  seinem  Thronerben
die  Situation.  Dieser  teilte  die  Ansicht  Bismarcks  durchaus  und  riet  zum
Derzicht  auf  Leipzig  und  Bautzen.  Sugleich  setzte  er  alles  daran,  seinen
Königlichen  Dater  zur  Annahme  der  Kaiserkrone  zu  bestimmen:  dem
Kaiser  würde  der  König  von  Sachsen  sich  willig  unterordnen,  wie  ja  die
Aufrichtung  des  Kaisertums  alsbald  auch  Süddeutschland  mit  dem  Norden