426  Siebentes  Kapitel.

vereinigen  würde.*)  Allein  mit  diesem  Gedanken  drang  er  bei  dem  Könige
nicht  durch;  wohl  aber  entschloß  sich  dieser,  auf  Sachsen  zu  verzichten.
Denn  in  letzter  Linie  war  bei  ihm  ausschlaggebend  das  Vertrauen,  das
er  in  den  Charakter  König  Johanns  setzte,  von  dem  er  erwartete,  daß,
wie  er  ihm  ein  entschiedener  Gegner  gewesen,  so  auch  fortan  ein  entschiedener
  Freund  sein  würde.  Und  wie  sicher  hat  seine  Menschenkenntnis
ihn  geführt!  Einen  Ausgleich  für  den  Verzicht  fand  zudem  Bismarck
dadurch,  daß  Sachsen  nicht  die  freie  Stellung  der  süddeutschen  Staaten
erhalten,  sondern  dem  norddeutschen  Bunde  eingefügt  werden  sollte:  wodurch
  die  Kraft  des  Candes  doch  zu  Hreußens  Derfügung  blieb.

Damit  waren  die  Schwierigkeiten  gehoben.  In  rascher  erständigung
wurden  nun  die  einzelnen  Bestimmungen  der  Hräliminarien  durch  Zismarck
  und  die  österreichischen  Zevollmächtigten  festgestellt.  Am  26.  Juli
wurde  der  Dertrag  von  beiden  Seiten  unterzeichnet:  keinen  Tag  zu  früh.
Denn  die  Kongreßeinladung  aus  St.  Hetersburg  traf  ein,  und  in  Nikolsburg
  erschien  Benedetti,  um  eine  Kompensationsforderung  des  Kaisers
Mapoleon  auf  dem  linken  Rheinufer  (Landau  und  Luxemburg)  anzumelden.
  Der  Hinweis  auf  den  unterzeichneten  Hräliminarvertrag  genügte
indes,  um  Napoleon  zu  bestimmen,  sie  sofort  fallen  zu  lassen;  denn  auf
einen  Krieg  ohne  Zundesgenossen  konnte  er  unmöglich  es  ankommen
lassen.  Am  28.  Juli  fand  der  Austausch  der  Ratifikationen  des  Dertrags
in  Nikolsburg  statt.  Welche  glänzenden  Resultate,  weit  über  kübnes  Erwarten
  hinaus,  hatte  der  rasche  Feldzug  ergeben!  Jetzt  hielt  König
Wilhelm  die  Bestätigung  in  Händen:  der  Eindruck  überwältigte  ihn.
Thränen  traten  ihm  in  die  Augen.  Um  ihn  herum  standen  die  treu
bewährten  Berater  seiner  Krone:  Roon,  Moltke  und  Bismarck.  Und  von
seiner  inneren  Bewegung  bingerissen,  stand  er  auf  und  schloß  einen  nach
dem  andern  in  seine  Arme,  küßte  ihn  und  dankte  jedem  mit  beweglichen
Worten.  Sugleich,  seine  Dankbarkeit  auch  äußerlich  zu  bekunden,  verlieh
er  Bismarck  das  Großkreuz  des  Hohenzollerschen  Rausordens,  Roon  und
Moltke  den  Schwarzen  Adler-Orden:  für  alle  ein  unvergeßlicher  Moment!

Auf  der  zu  RMikolsburg  gegebenen  Grundlage  wurde  am  25.  August
1866  der  Frieden  zu  Hrag  zwischen  Hreußen  und  Esterreich  abgeschlossen.
In  demselben  erkannte  der  Kaiser  von  GEsterreich  die  Auflösung  des  bisherigen
  Deutschen  Bundes  an  und  gab  seine  Sustimmung  zu  einer  neuen
Gestaltung  Deutschlands  ohne  Beteiligung  des  österreichischen  Kaiserstaates
  (Artikel  4).  Ferner  trat  er  sein  Mitbesitzerrecht  an  Schleswig-*)

  Hersönliche  Mitteilung  des  Kronprinzen.