428  Siebentes  Kapitel.

reitete  die  Milde  des  Friedens  die  Wiederherstellung  eines  freundschaftlichen
  Derhältnisses  zwischen  den  beiden  Großmächten  in  wirksamster-Weise
  vor:  ein  Moment,  hoch  bedeutungsvoll  für  die  Sukunft!

Bevor  der  König  nun  aus  Feindesland  die  Beimreise  antrat,  zog.
es  ihn,  seine  siegreichen  Armeen  noch  einmal  zu  sehen.  Suerst  ging  die
Fahrt  zur  Elbarmee  nach  Ladendorf,  wo  er  deren  Führer  Berwarth  von
Bittenfeld  den  Schwarzen  Adler.  Orden  persönlich  überreichte.  Dann  ging.
es  weiter  zur  Ersten  Armee  nach  Gänserndorf.  Zalbwegs  dorthin  beie.
Wolkersdorf  stand  auf  der  Böhe  eines  Weinberges  eine  Hütte,  die  sich
Generalstabsoffiziere,  da  die  Höhe  einen  weiten  und  freien  Ausblick  nach
Süden  gewährte,  zu  einem  Observatorium  eingerichtet  hatten.  Hier  ließ.
der  König  seinen  Wagen  halten  und  stieg  zu  der  Böhe  hinauf.  Dort
stand  der  greise  Held  ganz  allein  —  das  Gefolge  war  zurückgeblieben  —
und  betrachtete  durch  sein  Fernglas  Wien,  das,  nur  15  Kilometer  entfernt,
  im  hellen  Sonnenglanze  ihm  zu  Füßen  lag.  Deutlich  traten  die
hervorragendsten  Gebäude  hervor.  Lange  stand  er  da,  wie  in  tiefe  Gedanken
  versunken:  was  mochte  sein  Herz  empfinden!  Wie  viel  Unbill  und
Kränkung  war  von  hier  aus  seit  zwei  Jahrhunderten  über  sein  Haus  und.
Land  gekommen!  Zetzt  hatte  die  stolze  Stadt  sich  gebeugt,  und  ihm,  dem
Enkel,  war  es  beschieden,  endlich  Wandel  zu  schaffen  für  alle  Seitl

In  Gänserndorf  stieg  der  König  zu  Dferde  und  nahm  auf  einer
RHochfläche  nördlich  von  dem  Moarchfelde  im  Angesichte  Wiens  über  seine
siegreichen  Truppen  von  der  Ersten  Armee  Feldparade  ab.  Erst  spät
abends  kehrte  er  nach  Mikolsburg  zurück.  Am  nächsten  Tage  (I.  August)
galt  sein  Besuch  der  Sweiten  Armee.  Bei  Wislau  unweit  Brünn  war
sie  zur  Feldparade  zusammengezogen.  Als  beim  Dorbeimarsch  der  0.  Division
  des  Königs  Regiment,  das  2.  westpreußische  Ar.  7,  kam,  rief  er
den  Grenadieren  zu:  „Ihr  habt  euch  und  mir  Ehre  gemacht!“  Dann
zog  er  den  Degen  und  setzte  sich  selbst  an  die  Spitze.  So  führte  er  mit
den  Worten:  „Der  König  seinen  kommandierenden  Generalen!“  sein
Regiment  im  Harademarsch  vor  dem  Kronprinzen  und  dem  General
Steinmetz  vorüber,  dem  er  in  Anerkennung  seiner  Siege  einige  Tage
zuvor  durch  den  Kronprinzen  ebenfalls  den  Schwarzen  Adler-Orden  übersandt
  hatte.

Bis  zum  Z.  August  verweilte  der  König  in  Brünn.  Dann  trat  er
die  Beimreise  an.  Ein  Extrazug  brachte  ihn  am  Nachmittage  nach  Hrag,
wo  auf  dem  ganzen  Wege  vom  Bahnhofe  bis  zum  Blauen  Stern  die
Einwohner  in  dichtgedrängten  Scharen  standen,  den  siegreichen  Herrscher
zu  sehen.  Wirsing,  der  Direktor  des  Stadttheaters,  hatte  eine  Festvorstellung