Nach  dem  Kriege.  431

Süden  auszuweichen.  Da  traf  die  Siegeskunde  von  Königgrätz  ein:  den
Süddeutschen  wurde  es  klar,  daß  sie  für  eine  verlorene  Sache  kämpften.
Die  Bapern  zogen  sich  infolgedessen  binter  die  fränkische  Saale  zurück,
und  die  Bundestruppen  entwichen  bis  nach  Frankfurt.

Von  Kissingen  bis  Hammelburg  in  einer  Länge  von  20  Kilometern
  hatten  die  Bapern  in  trefflicher  Stellung  die  fränkische  Saale
besetzt.  Allein  am  10.  Juli  sandte  Dogel  von  Falckenstein  die  Division
Göben  gegen  Kissingen  vor,  die  Division  Bever  gegen  Hammelburg.
Mit  Rartnäckigkeit  verteidigten  sich  die  Zavern;  allein  am  Nachmittage
hatten  die  Preußen  nach  hartem  Kampfe  Kissingen  erobert  und  vertrieben
mit  dem  Bajonett  die  Gegner  auch  von  den  im  Osten  der  Stadt  liegenden
  Höhen.  Alsbald  erstürmten  sie  auch  Hammelburg  und  eroberten
den  dortigen  Flußübergang  mit  dem  Bajonett,  während  weiter  nördlich
bei  Waldaschach  die  Division  Manteuffel  den  Übergang  über  die  Saale
erkämpft  hatte.  So  waren  am  Abend  die  Hreußen  im  Besitze  der  ganzen
früheren  Stellung  der  Bapern  und  nötigten  diese,  nach  Würzburg  hinter
den  Main  zurückzuweichen.  Munmehr  wandte  sich  Dogel  von  Falckenstein,
in  höchst  anstrengenden  Märschen  den  Spessart  übersteigend,  gegen  das
Bundescorps.  Dieses  hatte  sich  in  Bewegung  gesetzt,  um  den  Bapern
die  Kand  zu  reichen.  Allein  Dogel  von  Falckenstein  ließ  es  durch  die
Division  Bever  bei  Gelnhausen  festbhalten  und  brach  dann  mit  seinen
beiden  andern  Divisionen  unversehens  aus  dem  Spessart  Bervor  und
faßte  am  14.  Juli  bei  Aschaffenburg  den  Gegner  in  der  rechten  Flanke.
Ein  heftiger  Kampf  um  die  Häuser  und  Straßen  der  Stadt  entwickelte
sich:  trotz  der  starken  Uberzahl  der  Feinde  bemächtigten  sich  die  Preußen
der  Mainbrücke  und  versperrten  ihnen  dadurch  den  Rückzug.  Mehr  als
2000  UMkann  mußten  dem  Sieger  sich  ergeben.  Die  Folge  war,  daß
Orinz  Alexander  das  Bundescorps  bis  nach  dem  Odenwalde  zurückführte.
So  hielt  denn  am  16.  Dogel  von  Falckenstein  an  der  Spitze  seiner  Truppen
seinen  Einzug  in  Frankfurt.  Don  den  Hansestädten  sich  trennend,  hatte
die  freie  Reichsstadt  FKrankfurt  am  14.  Juni  ihre  Stimme  gegen  Hreußen
abgegeben:  jetzt  hatte  sie  aufgelört,  es  zu  sein.  „Die  Länder  nördlich
des  Mains“,  schrieb  der  Sieger  an  seinen  König,  „liegen  jetzt  zu  Euer
Königlichen  Majestät  Füßen!“  Sbenso  rasch  wie  erfolgreich  hatte  die
Mainarmee  ihre  nächste  Aufgabe  erfüllt.  «

An  die  Stelle  Vogel  von  Falckensteins  trat  nunmehr  der  General
Edwin  von  Manteuffel.  Zugleich  wurde  die  Mainarmee  bis  auf
60000  Mann  verstärkt,  während  unter  dem  Befehle  des  Großherzogs
Friedrich  Franz  II.  von  Mecklenburg-Schwerin  ein  zweites  Reservecorps