Nach  dem  Kriege.  439

„Meine  Rerren",  schloß  der  König,  „mit  mir  fühlen  Sie,  fühlt  das
ganze  Daterland  die  große  Wichtigkeit  des  Augenblicks,  der  mich  in  die
Heimat  zurückführt.  Möge  die  Dorsehung  ebenso  gnadenreich  Hreußens
Sukunft  segnen,  wie  sie  sichtlich  die  jüngste  Dergangenbeit  segnete!  Das
walte  Gott!“  Wie  freudig  erregt,  wie  herzlich  zugleich  erklangen  die
Hochrufe  auf  den  König,  als  er  nun  von  den  Stufen  des  Thrones  her—
abstieg!  Mit  solchem  Jubel  war  noch  nie  ein  Landtag  eröffnet  worden;
und  manchem  Hatrioten,  fern  in  der  Reimat,  traten  die  Thränen  in  die
Augen,  als  er  die  Worte  las,  mit  denen  sein  König  den  Frieden  dem
Dolke  darbot.

Und  einen  kräftigen  Widerhall  fanden  die  Worte  des  königlichen
Vertrauens  in  dem  Abgeordnetenhause  selbst.  Es  beantwortete  die  Thronrede
  durch  eine  Adresse  voll  begeisterter  Anerkennung  und  freudigen
Dankes  für  König  und  Beer.  Den  Oräsidentenstuhl  des  Zauses  bestieg
nicht  Grabow,  der  Dräsident  der  vergangenen  Jahre,  dessen  Mame  zu
eng  mit  der  Erinnerung  an  den  Konflikt  verknüpft  war,  sondern  der
viel  gemäßigtere  Forckenbeck.  Einige  zwanzig  besonnene  Männer  traten
aus  der  Fortschrittspartei  aus,  die  dadurch  fast  bis  zur  Bedeutungslosigkeit
  herabsank.  Mit  freiem  Blick  zeichnete  einer  von  ihnen,  Cwesten,  die
völlig  veränderte  Situation:  „Die  öffentliche  Aleinung  unseres  Landes
hat  sich  kundgegeben  durch  die  Stimmung  des  Beeres,  durch  die  Wahlen,
durch  das  gehobene  Gefühl,  welches  unser  Dolk  erfüllt.  Die  Hunderttausende
  unserer  Krieger,  welche  an  den  heimatlichen  Berd  zurückkehren,
die  werden  nicht  von  dem  Budgetstreit  sprechen,  sondern  von  den  Schlachten,
die  sie  gewonnen,  und  von  den  Erfolgen,  die  sie  errungen.  Auf  diese
Stimmung  und  auf  diese  äöffentliche  Meinung  haben  wir  Rücksicht  zu
nehmen.“  Das  waren  die  Anfänge  der  „national-liberalen“  Hartei,  die
es  sich  zur  Aufgabe  machte,  eine  Stütze  der  nationalen  Holitik  König
Wilhelms  zu  sein.

Und  nun  bewies  das  Abgeordnetenhaus  denn  auch  durch  die  That,
daß  die  Seiten  andere  geworden.  Mit  250  gegen  75  Stimmen  sprach
es  am  5.  September  die  beantragte  Indemnität  aus.  Mit  der  gleichen
Bereitwilligkeit  bewilligte  es  der  Regierung  einen  außerordentlichen
Kredit  von  180  Millionen  Mark  für  Heer  und  Warine;  es  bestimmte,
dem  Könige  die  Verteilung  überlassend,  eine  Summe  von  4½  Millionen
Mark  zu  Dotationen  für  Graf  Bismarck,  „in  Anerkennung  der  von  ihm
so  erfolgreich  geleiteten  äußeren  preußischen  Holitik“,  und  für  diejenigen
Beerführer,  „welche  in  dem  letzten  Kriege  zu  dem  glücklichen  Ausgange
desselben  in  hervorragender  Weise  beigetragen",  für  die  Generale  der