440  Achtes  Kapitel.

Infanterie  von  Roon,  von  Moltke,  Herwarth  von  Bittenfeld,  von  Steinmetz
  und  Vogel  von  Falckenstein.  Es  genehmigte  die  Einverleibung  der
neuen  Provinzen  und  erteilte  der  Regierung  bis  zum  1.  Oktober  1867.
wo  die  preußische  Derfassung  in  den  neuen  Candesteilen  eingeführt  werden
sollte,  eine  Art  Diktatur.  Mit  tiefer  Befriedigung  sah  König  Wilhelm
das  Dertrauen,  das  die  Landesvertretung  jetzt  seiner  Regierung  entgegenbrachte;
  es  bot  ihm  die  Gewähr,  daß  die  nationale  Teugestaltung  Deutschlands,
  wie  sie  ihm  vorschwebte,  ihres  Sieles  nicht  verfehlen  werde.  Je
stärker  und  in  sich  gefestigter  die  Macht  Hreußens  sich  binstellte,  um  so
mehr  war  sie  im  stande,  den  deutschen  Mittel-  und  Kleinstaaten  zu  geben,
was  sie  alle  brauchten  und  was  doch  keiner  von  ihnen  sich  selbst  geben
konnte:  sicheren  Schutz  in  Seiten  der  Gefahr,  wenn  sie  nur  unter  die
Fittiche  des  preußischen  Aars  sich  sammeln  wollten.  „Ich  vertraue  auf
die  roten  Hosen!“  meinte  der  alte  Großherzog  Ludwig  von  Bessen,  als
Dreußen  den  Abschluß  einer  Mi#litärkonvention  mit  Hessen  verlangte.
Und  doch  mußte  Hreußen  allein  ihm  das  linksrheinische  Rheinhessen  vor
der  französischen  Begehrlichkeit  retten!

Nur  ungern  hatte  König  Wilhelm  den  vierten  Artikel  des  Prager
Friedens  sich  gefallen  lassen,  der  den  süddeutschen  Staaten  verstattete,  in
einen  Verein  zusammenzutreten,  „dessen  nationale  Verbindung  mit  dem
Vorddeutschen  Bunde  der  näheren  Verständigung  zwischen  beiden  vorbehalten
  bleiben“  sollte.  Nur  auf  Napoleons  Drängen  war  der  Artikel
in  die  Friedensakte  hineingekommen;  denn  seine  Meinung  war,  daß  die
gegenseitige  Eifersucht  die  beiden  getrennten  Hälften  von  Deutschland  hinlänglich
  auseinander  halten  werde.  An  der  Mlain-Linie  sollte  der  preußische
Einfluß  endigen  und  in  Frankreich  die  süddeutsche  Union  den  stets  hilfsbereiten
  Freund  sehen.  Allein  der  kluge  Berechner  täuschte  sich  in  seiner
Erwartung.  Hreußen  gewann  nicht  nur,  den  Main  überbrückend,  durch
die  geheimen  Schutz=  und  Trutzbündnisse  die  Derfügung  über  die  Streitkräfte
  des  Südens,  sondern  schon  bei  den  Friedensverhandlungen  ergab
sich  deutlich,  daß  an  das  Sustandekommen  einer  süddeutschen  Union  als
eines  Gegengewichtes  gegen  Dreußen  nicht  zu  denken  war.  Denn  diese
hätte  jedem  der  drei  Staaten  starke  Opfer  an  Souveränitätsrechten  auferlegt,
  ohne  ihnen  wirksamen  Schutz  gegen  äußere  Angriffe  zu  gewähren.
Daher  erklärte  Württemberg  schon  in  Berlin,  daß  es  einer  süddeutschen
Union  nicht  beitreten  würde,  nahm  aber  um  so  bereitwilliger  das  Aner—
bieten  Dreußens  an,  sich  gegenseitig  den  Bestand  ihrer  Staaten  zu  gewährleisten,
  woraus  sich  das  Schutz=  und  Trutzbündnis  von  selbst  ergab.
Mochk  entschiedener  war  Baden  gegen  die  Union;  es  beantragte  vielmehr