Nach  dem  Kriege.  441

seine  Aufnahme  in  den  Norddeutschen  Bund.  Dies  freilich  konnte  nicht
geschehen,  da  der  Hrager  Frieden  nicht  die  Verbindung  mit  den  einzelnen
süddeutschen  Staaten,  sondern  nur  mit  deren  Union  dem  Norddeutschen
Bunde  freigab.  Damit  war  denn  das  napoleonische  Drojekt  einer  süddeutschen
  Union  beseitigt;  denn  nur  allein  Bapern  stand  noch  gegen
Dreußen.  #  «

Bayern  wurde  in  Berlin  vor  die  Wahl  gestellt  —  bis  Nürnberg
hin  hatten  die  preußischen  Truppen  es  besetzt  —  entweder  das  ober—
fränkische  Gebiet  rechts  vom  Main  mit  200  000  Einwohnern  an  Hreußen
abzutreten  oder  sich  mit  Preußen,  sein  Heer  unter  König  Wilhelms
Oberbefehl  stellend,  zu  Schutz  und  Trutz  zu  verbünden.  Mit  Begeisterung,
ohne  Besinnen  ergriff  der  bayrische  Bevollmächtigte,  Herr  von  der
Pfordten,  das  dargebotene  Bündnis  und  umarmte  Bismarck  mit  der
feierlichen  Versicherung,  daß  er  hieran  sähe,  wie  in  Bismarcks  Busen
ebenso  gut  wie  in  dem  seinigen  ein  deutsches  Herz  schlüge.  Und  auch
Ludwig  II.  von  Bapern  bewegte  des  Siegers  Milde  tief:  zum  Ausdrucke
dauernder  Freundschaft  bot  er  König  Wilhelm  den  Mitbesitz  der  alten
Burggrafenburg  in  Nürnberg  an,  von  der  die  Hohenzollern  vorzeiten
ausgezogen  waren,  um  Brandenburg  zu  gewinnen.  „Wenn  von  den
Sinnen  dieser  gemeinschaftlichen  Ahnenburg“,  schrieb  er,  „die  Banner
von  Hohenzollern  und  ittelsbach  vereinigt  wehen,  möge  darin  ein
Svmbol  erkannt  werden,  daß  Hreußen  und  Bapvern  einträchtig  über
Deutschlands  Sukunft  wachen!“

Aber  in  Wahrheit  waren  NMord=  und  Süddeutschland  gar  nicht  von
einander  zu  trennen:  das  zeigte  sich  auf  der  Stelle.  Wohl  hatte
der  Krieg  den  Sollverein  gesprengt;  allein  kaum  war  der  Kanonendonner
  verhallt,  so  erhoben  sich  auch  schon  im  Morden  wie  im  Süden
Stimmen,  die  laut  die  Wiederherstellung  des  Dereins  verlangten.  Ja  im
Grunde  galt  diese  den  Deutschen  als  ganz  selbstverständlich.  Schon  in
den  ersten  Augusttagen  gaben  die  in  Braunschweig  versammelten  Ausschüsse
  des  deutschen  Handelstages  und  des  Nationalvereins  dem  allgemeinen
  Derlangen  Ausdruck,  indem  sie  vorschlugen,  fortan  die  Derwaltung
  und  Gesetzgebung  des  Sollvereins  einem  Soll-Bundesrate,  in
den  alle  deutschen  Regierungen  ertreter  zu  entsenden  hätten,  und  einem
Soll-Oarlamente  zu  übertragen,  zu  dem  alle  deutschen  Staaten  Abgeordnete
  wählen  sollten.  Das  war  also  neben  den  Bündnisverträgen  eine
zweite  Überbrückung  der  Main-Cinie,  lediglich  durch  die  materiellen  Interessen
  bewirkt.  So  wenig  wollten  und  konnten  Napoleons  Gedanken
sich  erfüllen!