Dreußen  und  Frankreich.  447

Stelle  schloß  er  den  Frieden  mit  Bavern  ab  und  sandte  die  Mlainarmee
und  das  Sweite  Reservecorps,  die  dadurch  frei  wurden,  in  Eilmärschen
gegen  die  österreichische  Grenze.  Das  wirkte:  Gsterreich,  das  immer  noch
auf  ein  Eingreifen  Frankreichs  gehofft  hatte,  unterzeichnete  jetzt  zu  Prag
den  Frieden.  Sugleich  erging  die  Anfrage  an  RKußland,  ob  es  geneigt
wäre,  im  Falle  eines  preußisch-französischen  Krieges  Gsterreich  zu  neutraler
Unthätigkeit  zu  nötigen.  Die  Antwort  lautete  zufriedenstellend.  Jetzt
kehrte  daher  Dreußen  zu  den  Derbandlungen  mit  Frankreich  zurück,  in
dessen  Tamen  Benedetti  dem  Grafen  Bismarck  den  Entwurf  eines  Dertrages
  vorlegte.  Don  vornherein  stand  der  Entschluß  des  Königs  wie
seines  Ministers  fest,  nichts  zu  bewilligen,  ohne  daß  sie  doch  den  Kaiser
Mapoleon  zu  Gewaltmaßregeln  reizen  wollten.  Denn  der  Gesundbeitszustand
  desselben  stellte  einen  baldigen  Thronwechsel  in  Aussicht,  der
voraussichtlich  den  Kompensationsgelüsten  ein  Ende  machen  würde.  Mit
höflicher  Entschiedenheit  gab  daher  Hreußen  die  Erklärung,  daß  es  dem
französischen  Dertragsentwurfe  nicht  näher  treten  könne,  da  dieser  keinen
andern  Sweck  zu  verfolgen  scheine,  als  Dreußen  mit  England  in  Swiespalt
  zu  bringen,  das  ja  das  Königreich  Belgien  unter  seinen  besonderen
Schutz  genommen  hatte.  Da  wurde  es  denn  dem  Kaiser  klar,  daß
Dreußen  ihn  nur  binzuhalten,  aber  nicht  zu  befriedigen  wünsche.  Enttäuscht
  schrieb  er  in  sein  Tagebuch:  „Ich  sah  deutlich,  daß  der  Krieg
mit  Dreußen  unvermeidlich  war.“  Der  ersten  Militärmacht  Europas
hielt  er  aber  seine  Armee  jetzt  noch  nicht  für  gewachsen.  Er  erließ  daher
am  16.  September  ein  Rundschreiben  an  die  französischen  Gesandten,
durch  das  er  sich  als  den  entschiedenen  Freund  Hreußens  binstellte,  der
sich  glücklich  über  Hreußens  Erstarkung  fühle.  Allein  die  Umtriebe  ließ
er  deswegen  doch  nicht.  Auf  Luxemburg  richtete  er  die  begehrlichen
Augen.  Das  Großherzogtum,  mit  den  Tiederlanden  durch  Hersonalunion
verbunden,  hatte  bis  1866  zum  Deutschen  Bunde  gehört,  war  aber  bei
der  Neugestaltung  der  deutschen  Verhältnisse  nicht  in  den  Norddeutschen
Bund  aufgenommen  worden;  doch  blieb  es  im  Sollvereine,  und  Dreußen
behielt  mit  Sustimmung  des  Königs  der  Miederlande  das  schon  seit  1815
geübte  Besatzungsrecht  der  Festung  Luxemburg.

Dem  holländischen  Könige  schien  das  Anerbieten  KNapoleons,  das
Großherzogtum  ihm  für  eine  bedeutende  Geldsumme  abzukaufen,  nicht
unwillkommen  zu  sein.  Er  fügte  zu  seiner  Sustimmung  aber  die  Zitte,
„sich  mit  Dreußen  zu  benehmen.“  Allein  König  Wilhelm  weigerte  sich,
durch  das  GSurückziehen  der  preußischen  Zesatzung  das  in  00  Hrozent  der
Bevölkerung  deutsche  Land  der  Fremdberrschaft  auszuliefern;  und  das