450  Neuntes  Kapitel.

platze,  dem  Karussellplatze  und  im  Tuilerienhofe  waren  Truppen  in
Doppelreihben  aufgestellt.  Anfangs  fuhren  die  Wagen,  denen  Garde-Lanciers
  voranritten  und  folgten,  ganz  langsam,  so  daß  die  Suschauer
die  Berrscher  sehr  gut  sehen  konnten  und  nach  Hariser  Art  lebhaft  ihre
Bemerkungen  austauschten.  Mit  Le  voildà  machten  sie  sich  auf  den
König,  der  ihr  ganzes  Interesse  erregte,  aufmerksam.  „Quelle  bonne
figurel“  riefen  die  Damen  voller  Bewunderung.  Don  einer  feindseligen
Stimmung  war  nicht  das  geringste  zu  bemerken;  vielmehr  rief  man  sich
zu,  wie  freundlich  er  blicke  und  wie  gut  er  aussehe,  ganz  im  Gegensatze
zu  der  bleichen,  ernsten  Miene  des  russischen  Kaisers,  der  vor  einigen
Tagen  angelangt  war.  Auch  nach  Bismarck  fragte  man  sich  in  der
Menge;  aber  in  der  weißen  Kürassieruniform,  die  er  trug,  erkannte
ihn  niemand.  Da  erhob  sich  auf  dem  Boulevard  de  Straßbourg
eine  starke  Stimme:  „Vive  PEmpereur  d'Allemagnel“  Und  laut  stimmten
die  Umstehenden  mit  ein.  Es  war  ein  Deutscher,  der  seinem  Herrscher
die  RKuldigung  darbrachte:  aber  König  Wilhelm  wollte  nichts  gehört
haben.

Am  Fuß  der  großen  Ehrentreppe  empfing  die  Kaiserin  Eugenie  in
den  Tuilerien,  umgeben  von  ihrem  Hofstaat,  ihren  hohen  Gast.  Er
reichte  ihr  den  Arm  und  führte  sie  in  den  Empfangssalon,  von  wo  nach
kurzem  Derweilen  der  Kaiser  selbst  den  König  nach  dem  Havillon  Marsan
in  die  für  ihn  in  Bereitschaft  gesetzten,  kostbar  ausgestatteten  Gemächer
geleitete.  Aber  auch  jetzt  noch  gestattete  König  Wilhelm  sich  keine  Rube.
Er  fuhr  zu  der  Hrinzessin  Mathilde,  ihr  seinen  Besuch  zu  machen,  und
dann  nach  dem  Elisée,  um  den  Kaiser  von  Rußland,  der  dort  wohnte,
zu  begrüßen.  Ein  Galadiner  von  mehr  als  100  Gedecken  in  den  Tuilerien
  beendete  den  wechselvollen  Tag.

Gleich  am  nächsten  Morgen  besuchte  der  König  die  Ausstellung.
Am  Eingange  zu  dem  Kaiserlichen  Havillon  erwarteten  ihn  die  Ceiter
derselben  mit  mehreren  Ministern  und  den  preußischen  Kommissarien.
Dadurch  aufmerksam  gemacht,  hatte  sich  eine  vielköpfige  Menge  angesammelt,
  die  den  König,  obgleich  er  ebenso  wie  der  Kronprinz  in  Gipvilkleidung
  war,  dennoch  sofort  erkannte  und  mit  sympathischen  RBochrufen
begrüßte.  Er  besichtigte  zuerst  den  Oberbau  der  Maschinengalerie,  dann
begab  er  sich  durch  den  großen  schlesischen  Marmorpavillon  nach  der
preußischen  Ausstellung,  wo  ihn  die  versammelten  Aussteller  mit  freudigherzlichem
  Hurra  empfingen.

Durch  Festlichkeiten  aller  Art,  durch  große  Schaustellungen  war  das
französische  Kaiserpaar  bedacht,  seinen  hohen  Gästen  den  Aufenthalt  in