Preußen  und  Frankreich.  457

neren  Botschafter,  die  Entscheidung  des  Königs  zu  verlangen,  so  daß
dieser  den  Eindruck  gewann,  als  sei  es  von  seiten  Frankreichs  durchaus  auf
einen  Konflikt  abgesehen.  Er  beschied  daher  den  Grafen  Bismarck,  der
ruhig  auf  seinem  Gute  Varzin  weilte,  zu  sich  nach  Ems.

Unterdessen  erklärte  der  Erbprinz  Ceopold  auf  die  Kunde  von  den
entstandenen  Verwickelungen  sofort  seinen  Rücktritt  von  der  Thronkandidatur,
  und  der  spanische  Gesandte  in  Haris  überbrachte  Gramont  unverzüglich
  die  amtliche  Meldung.  „Wir  haben  jetzt“,  sagte  Ollivier,  „was  wir
wünschen:  es  bleibt  Friede!“  Und  befriedigt  teilte  er  die  Nachricht  der
Kammer  mit.  Allein  die  Arkadier  waren  keineswegs  von  dem  Derlaufe
der  Sache  befriedigt.  Sofort  richtete  der  Deputierte  Duvernois  an  das
Ministerium  die  Frage,  welche  Bürgschaften  es  sich  ausbedungen  habe  oder
ausbedingen  werde,  um  die  Wiederkehr  fortwährender  Derwickelungen
mit  Dreußen  zu  verhüten.  Das  hieß  den  Berzog  von  Gramont  wieder  vorwärts
  drängen:  als  ob  er  es  an  sich  fehlen  lassen  könnte,  die  Gelegenhbeit
zu  einer  Demütigung  Hreußens  selbst  auf  die  Gefahr  eines  Krieges  hin
auszunutzen.  Ohne  zu  merken,  wie  die  Arkadier  fortfuhren  ihn  zu  gängeln,
sah  er  in  der  Frage  einen  Zweifel  an  seinem  Mute  und  erklärte  daber
am  Nachmittage  desselben  12.  Juli  noch  dem  preußischen  SBotschafter
von  Werther,  daß  der  Derzicht  des  Erbprinzen  Nebensache  sei,  da  Frankreich
  doch  niemals  seine  Thronbesteigung  würde  zugelassen  haben;  vielmehr
  sei  es  notwendig,  daß  der  König  von  Hreußen  in  einem  Briefe
ausdrücklich  erkläre,  er  schließe  sich  der  Derzichtleistung  des  Drinzen  an
und  versichere,  daß  er  die  Kandidatur  nicht  von  neuem  genebmigen  werde.
Und  sofort  setzte  er  sich  an  den  Schreibtisch  und  schrieb  den  Entwurf  zu
einem  solchen  Entschuldigungsbriefe  nieder.  Werther  hatte  nicht  den  Mut,
die  Demütigung,  die  für  seinen  König  in  einem  solchen  Briefe  lag,  auf
der  Stelle  mit  Entschiedenheit  zurückzuweisen,  sondern  sandte  den  Entwurf
wirklich  nach  Ems  an  den  König,  während  auch  Gramont  am  Abend
telegraphisch  den  Botschafter  Benedetti  anwies,  eine  derartige  schriftliche
Entschuldigung  von  dem  Könige  zu  verlangen.

Am  12.  Juli  hatte  der  König  dem  Botschafter  mitgeteilt,  daß  telegraphischer
  Meldung  zufolge  das  erwartete  Antwortschreiben  des  Fürsten
Anton  am  nächsten  Tage  eintreffen  werde,  und  hatte  ihm  zugesagt,  daß
er  gleich  nach  Eingang  desselben  ihn  werde  rufen  lassen.  Nach  dem
Empfang  der  Abenddepesche  Gramonts  wartete  indessen  Benedetti  den
Ruf  des  Königs  nicht  ab,  sondern  suchte  den  König  auf  der  Dromenade,
wo  der  König  seinen  Kurspaziergang  machte,  schon  am  Morgen  des  15.
auf.  Sobald  König  Wilhelm  nun  des  Botschafters  ansichtig  wurde,  ging