460  Neuntes  Kapitel.

etwas  ernst,  zurück,  da  man  à  tout  jamais  dergleichen  Engagements  nicht
nehmen  dürfe  noch  könne.  Natürlich  sagte  ich  ihm,  daß  ich  noch  nichts
erhalten  hätte,  und,  da  er  über  Paris  und  Madrid  früher  benachrichtigt
sei,  als  ich,  er  wohl  einsähe,  daß  mein  Gouvernement  wiederum  außer
Spiel  sei.“  Seine  Majestät  hat  inzwischen  ein  Schreiben  des  Fürsten
(von  Sigmaringen)  bekommen,  und  da  Seine  Majestät  dem  Grafen
Benedetti  gesagt,  daß  er  Nachricht  vom  Fürsten  erwarte,  hat  Allerhöchst
derselbe  mit  Rücksicht  auf  obige  Zumutung  auf  des  Grafen  Eulenburg
und  meinen  Vortrag  beschlossen,  Benedetti  nicht  mehr  zu  empfangen,
sondern  nur  durch  den  Adjutanten  sagen  zu  lassen,  daß  Seine  Majestät  jetzt
vom  Fürsten  die  Bestätigung  der  Nachricht  erhalten,  die  Benedetti  aus
Paris  schon  gehabt,  und  dem  Botschafter  nichts  weiter  zu  sagen  habe.
Seine  Majestät  stellt  Euer  Exzellenz  (Bismarck)  anheim,  ob  nicht  diese
neue  Forderung  Benedettis  und  ihre  Zurückweisung  sogleich  sowohl  unsern
Gesandten  als  auch  in  der  Presse  mitgeteilt  werden  sollte."  ·

Durchaus  war  Bismarck  für  die  sofortige  Veröffentlichung  der  De—
pesche.  Sogleich  an  der  Tafel  strich  er  die  schärfsten  Ausdrücke  und  einige
unwesentliche  Zusätze  und  las  sie  dann  seinen  Gästen  in  folgender  Ge—
stalt  vor:  ·  ·  ,

„Nachdem  die  Nachricht  von  der  Entsagung  des  Hrinzen  Hohen—
zollern  der  französischen  Regierung  mitgeteilt  worden,  stellte  der  Botschafter
  in  Ems  an  den  Rönig  die  Forderung,  ihn  zu  ermächtigen,  daß
er  nach  Haris  telegraphiere:  der  König  verpflichte  sich  für  alle  Sukunft,
niemals  wieder  zuzustimmen,  wenn  die  Hohenzollern  auf  diese  Kandidatur
zurückkämen.  Der  König  lehnte  jedoch  ab,  den  französischen  Botschafter
nochmals  zu  empfangen,  und  ließ  demselben  durch  den  Adjutanten  vom
Dienst  sagen:  „Seine  Mlajestät  habe  dem  Botschafter  weiter  nichts  mitzuteilen.“"“!
  «

Roon  sowohl  wie  Moltke  waren  mit  dieser  verkürzten  Fassung,  welche
nur  fortließ,  aber  nicht  zusetzte,  durchaus  einverstanden.  „Das  klingt
besser!“  meinte  Roon.  Und  an  demselben  Abend  noch  schickte  Bismarck
die  Depesche  an  die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“;  zugleich  aber  wies
er  Herrn  von  Werther  an,  Paris  ohne  Verzug  „aus  Gesundbeitsrücksichten“
  zu  verlassen.

Die  Seitung  veröffentlichte  die  Depesche  in  einem  Extrablatt.  Bismarck
ließ  dies  an  sämtliche  preußische  Gesandte  senden.  Doch  teilten  nur  die
in  Bern  und  München  es  den  Regierungen,  bei  denen  sie  beglaubigt
waren,  amtlich  mit:  ein  Dorgang,  den  die  dortigen  französischen  Gesandten
sofort  nach  Paris  telegraphisch  meldeten,  als  enthielte  er  eine  Bloßstellung