Preußen  und  Frankreich.  461

Frankreichs.  Auch  Ollivier  nannte  die  Nachricht  „eine  Ohrfeige,  die
Frankreich  bekommen.“

Noch  am  15.  hatte  Benedetti  die  Dorgänge  des  Tages  nach  Haris
ganz  friedlichen  Sinnes  gemeldet.  Der  Ministerrat  gab  sich  infolgedessen
zufrieden,  indem  er  die  Forderung  des  Entschuldigungsbriefes  fallen  ließ.
Damit  schien  der  Frieden  erhalten  zu  sein.  Am  folgenden  Tage  trat  er
indes  zu  einer  neuen  Sitzung  zusammen.  Gramont  legte  in  derselben
eine  Mummer  der  „NVorddeutschen  Allgemeinen  Seitung“  vor,  in  welcher
eine  kurze  Notiz  dahin  lautete,  daß  Benedetti  in  Ems  die  Regeln  des
diplomatischen  Anstandes  verletzt  habe,  da  er  sich  nicht  gescheut,  den
König  in  der  Badekur  zu  stören  und  auf  der  Dromenade  zu  interpellieren,
um  ihn  zu  Erklärungen  zu  drängen.  Er  sah  in  dieser  Notiz  wie  in
der  Mitteilung  der  Emser  Depesche  an  fremde  Regierungen  eine  Beleidigung
  Frankreichs  und  behauptete,  die  Stimme  des  französischen  Volkes
verlange  mit  Ungestüm  den  Krieg  gegen  Dreußen.  Ihm  stand  der
Kriegsminister  Leboeuf  zur  Seite,  indem  er  die  französische  Armee  für
Harchiprste“  erklärte.  Die  Entscheidung  aber  gab  zumeist  die  Kaiserin
Eugenie,  die  einzige  Rettung  der  Dynastie  in  einem  auswärtigen  Kriege
sehend,  rief  sie  ihrem  Gemahl  zu:  „Dein  Thron  fällt  in  den  Kot!“  Der
Krieg  gegen  Dreußen  wurde  beschlossen.  Erdfahlen  Angesichts,  ganz  gebrochen
  in  der  Haltung  verließ  der  Kaiser  Tapoleon  die  Sitzung.  Ihn
erfaßte  die  Ahnung  des  Endes.  Aber  noch  einmal  ermannte  er  sich.
Am  Abend  um  10  Uhr  berief  er  nochmals  den  Ministerrat,  um  den  gefaßten
  Beschluß  wieder  aufzuheben.  Aber  der  Beschluß  des  Dormittags,
die  Reserve  einzuberufen,  war  bekannt  geworden;  die  Menge  sah  darin
ein  sicheres  Anzeichen  des  Krieges:  johlend  und  lärmend  durchzogen
Holkshaufen  die  Stadt.  Und  dieser  Äußerung  des  Dolkswillens  gegenüber
  wagte  der  Ministerrat  trotz  des  Drängens  des  Kaisers  es  nicht,
jetzt  seinen  Beschluß  zu  ändern.

Wie  würde  sich  aber  dazu  die  Kammer  stellen  d  Wobl  waren  die
Köpfe  erhitzt,  als  am  15.  Juli  die  Minister  ihr  die  Kriegsfrage  vorlegten.
  Einem  diplomatischen  Triumphe  über  Dreußen  würde  sie  einstimmig
  zugejubelt  haben.  Aber  den  Krieg?  Nein!  Die  Stimmung
der  Mehrheit  ging  durchaus  auf  Frieden.  Ungestüm  verlangte  sie  die
Meitteilung  der  aufregenden  Depeschen,  von  denen  Gllivier,  der  den  Beschluß
  des  Ministeriums  vertrat,  sprach.  Allein  er  hütete  sich  zu  verraten,
  daß  damit  nur  jene  Seitungsnotiz  gemeint  sei,  und  begnügte  sich,
die  in  dem  letzten  Ministerrat  abgefaßte  Erklärung  vorzulesen,  durch  die
der  Antrag  des  Ministeriums,  den  Krieg  zu  beschließen,  begründet  werden