Preußen  und  Frankreich.  465

Grabe  der  Frübhverklärten  geweilt;  jetzt  knüpfte  er  die  begeisterungsvolle
Gegenwart  an  die  begeisterte  Vergangenheit,  indem  er  an  diesem  denkwürdigen
  10.  Juli  den  GOrden  des  Eisernen  Kreuzes  für  jegliches  Derdienst
  in  dem  bevorstehenden  Kriege  erneuerte.

Eben  wollte  Bismarck  in  die  Reichstagssitzung,  die  der  Eröffnung
sofort  sich  anschloß,  sich  begeben,  als  der  französische  Geschäftsträger  La
Sourd  ihm  gemeldet  wurde.  Er  überreichte  dem  Grafen  die  Kriegserklärung
  Frankreichs:  das  Derhängnisvolle  war  geschehen!

Hochaufgerichtet  trat  Bismarck  in
die  Sitzung,  die  eben  erst  begonnen  hatte.
Sofort  verlangte  er  das  Wort;  atemlos
lauschte  alles.  Er  begann:  „SIch  teile
dem  hohen  Hause  mit,  daß  mir  der  französische
  Geschäftsträger  soeben  die  Kriegserklärung
  Frankreichs  —.“  RKundertstimmiger,
  begeisterter  Suruf  unterbrach  ihn;
die  Abgeordneten  sprangen  von  ihren
Sitzen  auf,  und  Bändeklatschen,  Hurraruf
durchbrauste  minutenlang  den  Saal.  Endlich
  winkte  er  um  Stille  und  fuhr  fort:
„Mach  den  Worten,  die  Seine  Majestät
soeben  an  den  Reichstag  gerichtet  hat,
füge  ich  der  Mitteilung  dieser  Thatsache
nichts  weiter  binzu.“  Und  von  neuem
ertönte  Bravo  und  Hurra  ungestüm  von
allen  Seiten.

Am  folgenden  Tage  beantwortete  Das  Eiserne  Kreuz  von  1870.
der  Reichstag  in  einer  debattelos  einstimmig
  angenommenen  Adresse  an  den  König  die  Thronrede,  in  der
er  mit  warmen  Worten  die  Opferfreudigkeit  der  Nation,  das  Dertrauen
zu  der  bewährten  Kriegsleitung,  den  Glauben  an  die  gerechte  Sache
Deutschlands  aussprach.  „Möge  der  Segen  des  allmächtigen  Gottes“,
schloß  der  Dräsident  Simson  die  bewegte  Sitzung,  „auf  unserem  Dolke
ruhen  auch  in  diesem  heiligen  Kriege!“  Und  zwei  Tage  später  bewilligte
der  Reichstag  auch  mit  allen  Stimmen  gegen  die  der  beiden  Sozialdemo-=kraten
  Bebel  und  Liebknecht  die  360  Millionen  Mark,  welche  die  Regierung
  für  den  Krieg  forderte.

Nun  konnte  das  Werk  der  Waffen  seinen  Lauf  nehmen.  Da  erbot

sich  in  einem  eigenhändigen  Schreiben  an  König  Wilhelm  noch  in  letzter
Maiser  Wilhelm.  30