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Stunde  der  Papst  Pius  IX.  zum  Friedensvermittler.  Konnte  der  König
aber  ohne  weiteres  darauf  eingehend  Hatte  er  denn  den  Krieg  ent—
zündetd  Seine  Antwort  lautete:

„Sehr  erhabener  Papst!

Ich  war  nicht  erstaunt,  sondern  tief  bewegt,  als  Ich  die  von  Ihrer
Band  aufgezeichneten  rührenden  Worte  las,  um  Mich  die  Stimme  des
Gottes  des  Friedens  hören  zu  lassen.  Wie  könnte  Mein  Zerz  einen  so
mächtigen  Ruf  nicht  hören!  Gott  ist  Mein  Seuge,  daß  weder  Ich  noch
Mein  Dolk  den  Krieg  gewünscht  oder  hervorgerufen  haben.  Indem  Wir
den  gehbeiligten  Oflichten,  welche  Gott  den  Souveränen  und  den  Nationen
auflegt,  gehorchen,  ergreifen  Wir  das  Schwert,  um  die  Unabhängigkeit
und  die  Ehre  des  Daterlandes  zu  verteidigen,  und  Dir  werden  immer
bereit  sein,  es  niederzulegen,  sobald  diese  Güter  bewahrt  sein  können.
Wenn  Ew.  Beiligkeit  Mir  von  seiten  dessen,  welcher  den  Krieg  so  unvermutet
  erklärt  hat,  die  Dersicherung  aufrichtig  friedlicher  Gesinnungen
und  Bürgschaften  gegen  die  Rückkehr  eines  ähnlichen  Angriffes  auf  den
Frieden  und  die  Ruhe  Europas  geben  könnten,  so  würde  JIch  sicher
Mich  nicht  weigern,  sie  aus  den  verehrungswürdigen  Händen  Ew.  Beiligkeit
  zu  empfangen,  mit  der  Ich  durch  die  Bande  der  christlichen  Liebe
und  einer  aufrichtigen  Freundschaft  verbunden  bin.

Berlin,  den  50.  Juli  1870.
Wilhelm.“

Von  solcher  Versicherung  indessen  war  man  in  Frankreich  fern.  Wie
sehr  aber  das  großmütige  Herz  des  Königs  zum  Vergeben  und  Vergessen
gern  bereit  war,  bewies  er  gerade  in  diesen  Tagen  in  sprechendster
Weise.  Die  Welfenlegion,  durch  die  der  König  Georg  von  Hannover
seinen  verlorenen  Thron  sich  zurückzuerobern  gedachte,  war  von  diesem,
als  finanzielle  Verluste  in  Wien  ihn  trafen,  aufgegeben  worden.  Die
Mannschaft  war  auseinander  gegangen;  aber  die  Offiziere  der  Legion
befanden  sich  in  Haris,  von  allen  Mitteln  entblößt,  in  drückendster  Lage.
Die  Reimkehr  hatten  sie  sich  abgeschnitten  und  gegen  ihr  Daterland  zu
kämpfen  konnten  sie  sich  auch  nicht  entschließen.  Da  griff  König  Wilhelm
ein:  hochherzig  verstattete  er  ihnen  nicht  nur  die  Rückkehr,  sondern  bewilligte
  auch  einem  jeden  ein  Jahrgeld  von  5600  Mark,  um  ihm  die
Möglichkeit  zu  geben,  zu  einem  nützlichen  Gliede  der  menschlichen  Gesellschaft
  sich  auszubilden.  Thränen  traten  den  Mißleiteten  ins  Auge,  als
ihnen  so  ohne  ihr  Zuthun  Hilfe  von  der  Seite  geboten  wurde,  von  der
sie  es  am  wenigsten  erwartet  und  auch  verdient  hatten.