Dreußen  und  Frankreich.  467

Und  nun  beugte  sich  das  gesamte  deutsche  Dolk  vor  Gott,  um  an
dem  allgemeinen  Bettage,  den  der  König  auf  den  27.  Juli  angeordnet
hatte,  um  den  Sieg  der  gerechten  Sache  zu  beten.  Die  Kirchen  vermochten
  nicht  die  Scharen  der  Andächtigen  zu  fassen:  so  sehr  entsprach
die  Anordnung  dem  allgemeinen  Derlangen.  Im  Gebet  stärkten  sie  ihre
Suversicht.  Und  in  allen  öffentlichen  Gottesdiensten  während  der  ganzen
Dauer  des  Krieges  —  so  wollte  es  des  Königs  frommes  Gemüt  —
wurde  gebetet,  daß  Gott  die  deutschen  Waffen  zum  Siege  führen,  daß  er
den  Deutschen  Gnade  geben  möge,  auch  gegen  die  Feinde  sich  als
Christen  zu  erweisen,  und  daß  er  das  deutsche  Dolk  zu  einem  die  Ehre
und  Unabhängigkeit  Deutschlands  dauernd  verbürgenden  Frieden  in
Gnaden  gelangen  lasse.

Der  Krieg  war  da.  Schon  im  Feldanzuge  mit  hohen  Reitstiefeln
erschienen  am  28.  alle  Taufgäste  bei  dem  Kronprinzen,  der  sein  jüngst
gebdrenes  Täöchterchen,  die  Hrinzessin  Sophie,  bevor  er  ins  Feld  zöge,
taufen  ließ.  Auch  König  Wilhelm  war  in  Kriegsausrüstung.  Es  war
eine  ernste  Feier,  auf  die  der  Krieg  seinen  Schatten  warf.  „Wer  von
uns  wird  wiederkehren?“  schrieb  der  Kronprinz  am  Abend  in  sein  Tagebuch;
  aber  getrost  setzte  er  hinzu:  „Wir  siegen!“