Behntes  Kapitel.
Abrechnung  mit  Frankreich.

An  Mein  Dolk!

„Indem  JIch  heute  zur  Armee  gehe,  um  mit  ihr  für  Deutschlands
Ehre  und  für  Erhaltung  unserer  höchsten  Güter  zu  kämpfen,  will  Jch
im  Hinblick  auf  die  einmütige  Erhebung  Meines  Dolkes  eine  Amnestie
für  politische  Derbrechen  und  Vergehen  erteilen.  Ich  habe  das  Staatsministerium
  beauftragt,  Alir  einen  Erlaß  in  diesem  Sinne  zu  unterbreiten.

„Mein  Dolk  weiß  mit  Mir,  daß  Friedensbruch  und  Feindschaft
wahrhaftig  nicht  auf  unserer  Seite  war.

„Aber  herausgefordert,  sind  wir  entschlossen,  gleich  unsern  Dätern
und  in  fester  Suversicht  auf  Gott  den  Kampf  zu  bestehen  zur  Errettung
des  Daterlandes.

„Berlin,  den  51.  Juli  1870.
Wilhelm.“

Das  waren  die  Worte,  mit  denen  König  Wilhelm  von  seinem  Dolke
Abschied  nabm,  als  er  sich  ins  Feld  begab.  Am  Abend  des  51.  Juli
verließ  er  Berlin.  Ein  Gewitter  brach  los,  als  der  Sug  abfuhr.  Aber
die  begeisterten  Bochrufe  der  unabsehbar  versammelten  Dolksmenge  übertönten
  den  rollenden  Donner.  Man  sah  dem  greisen  Helden  die  tiefe
Bewegung  an,  in  die  ihn  das  versetzte:  wiederholt  strich  er,  die  Rührung
zu  meistern,  nach  seiner  Gewohnhbeit  mit  der  Hand  über  den  weißen
Schnurrbart.

Schon  hatte  nach  seiner  Art  Graf  Bismarck  den  Krieg  gegen  Frankreich
  eröffnet.  In  den  „Times“  hatte  er  die  Dokumente  der  Vergrößerungspläne
  Mapoleons  veröffentlicht,  durch  welche  dieser  schon  vor  Jahren
Dreußen  hatte  ködern  wollen,  Gebietserweiterungen  Frankreichs  zu  unterstützen.
  Er  enthüllte  damit  vor  der  ganzen  Welt  die  ihre  Nachbarn  unaufhörlich
  bedrohende  Begehrlichkeit  der  napoleonischen  Regierung.