Abrechnung  mit  Frankreich.  469

Den  Süddeutschen  zunächst  galt  die  Warnung;  aber  es  bedurfte
ihrer  nicht.  In  der  gleichen  Begeisterung  für  Deutschlands  Ehre  wie
der  Morden  machten  sie  ohne  jeden  Derzug  ihre  Truppen  mobil  und
stellten  sie  den  Bestimmungen  der  Bündnisse  gemäß  unter  preußischen
Oberbefehl.  Und  alle  Herzen  durchzitterte  die  Abnung,  daß  jetzt  oder
nie  das  deutsche  Daterland  zu  seiner  Einigung  gelangen  müsse  und  würde.
Und  doch  meinten  die  französischen  Kriegsschürer  mindestens  der  wohlwollenden
  eutralität  Süddeutschlands  sicher  zu  sein!  Aber  auch  sonst
erwies  sich  deren  Rechnung  als  falsch.  Die  Tripelallianz  verwirklichte
sich  nicht.  Italien  erklärte  sich  schon  am  24.  Juli  für  neutral;  und  der
Eifer,  den  manche  TKreise  in  Osterreich  zeigten,  wurde  sehr  stark  durch
die  Erklärung  Rußlands  abgekühlt,  daß,  wenn  eine  der  andern  Mächte
sich  auf  die  Seite  Frankreichs  stellen  sollte,  es  seine  Meutralität  aufgeben
und  das  Schwert  für  Dreußen  ziehen  würde.  So  traten  denn  die  beiden
Gegner,  Deutschland  und  Frankreich,  jeder  ohne  Bundesgenossen  in  den
Kampf.

In  elf  Tagen  war  die  Wobilmachung  der  deutschen  Reere  beendigt,
und  acht  Tage  später  standen  sie  schon  auf  dem  linken  Rheinufer.  Ihre
Stärke,  Feldarmee,  Ersatztruppen  und  Besatzungsmannschaften  zusammengerechnet,
  sollte  nach  dem  Alobilisierungsplane  882  000  Mann  mit  2046  Geschützen
  betragen,  aber  sie  stieg  bald,  da  sämtliche  Staaten  erbeblich  mehr
leisteten,  als  ihnen  vertragsmäßig  oblag,  auf  1  185  580  WMann  und
250  575  Pferde.

Schon  im  Winter  1868  —69  hatte  Moltke  in  Erwartung  der  Dinge,
die  da  kommen  würden,  einen  Kriegsplan  entworfen,  König  Wilbelm
genehmigte  ihn,  so  daß  er  den  ersten  Operationen  zu  Grunde  gelegt
wurde.  Danach  sollten  die  Deutschen,  dreifach  geteilt,  in  gemeinsamer
Operation  gegen  den  Feind  vorrücken  und  ihn  besiegen,  wo  sie  ihn  träfen.
Den  rechten  Flügel  des  gewaltigen  Aufmarsches  bildete  die  Erste  Armee,
zwei  Armeecorps  umfassend,  unter  dem  Befehle  des  greisen  Steinmetz.
Die  Sweite  Armee,  mehr  als  dreifach  so  stark,  rückte,  von  dem  Hrinzen
Friedrich  Karl  geführt,  in  der  Mitte  von  der  Hfalz  aus  vor.  Nur  wenig
schwächer  war  die  Dritte  Armee,  die  den  linken  Flügel  des  deutschen
Reeres  darstellte.  Susammengesetzt  aus  zwei  preußischen  Armeccorps  und
den  süddeutschen  Truppen,  hatte  sie  in  dem  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm,
  dem  gefeierten  Sieger  von  Königgrätz,  gerade  den  rechten  Anführer
erhalten.  Denn  gerade  die  Süddeutschen  galt  es  bei  aller  Begeisterung,
welche  sie  für  die  deutsche  Sache  zeigten,  doch  mit  dem  preußischen  Oberbefehle
  auszusöhmnen.  Und  wer  hätte  das  besser  vermocht,  als  „unser