472  Sehntes  Kapitel.

Das  war  so  schnell  gekommen,  daß  die  Siegeskunde  bei  der  Bevölkerung
  auf  Unglauben  stieß.  Aber  im  Großen  Rauptquartier  erregte  sie
helle  Freude,  und  aus  den  Worten,  mit  denen  der  König  sie  der  Königin
Augusta  mitteilte,  spricht  die  Genugthuung  des  Gberfeldherrn  zugleich
mit  dem  Stolze  des  Daterberzens  zu  uns:

„Unter  Fritzens  Augen  heute  einen  glänzenden,  aber  blutigen  Sieg
erfochten  durch  Stürmung  von  Deißenburg  und  des  dahinter  liegenden
Gaisberges.  —  Gott  sei  gepriesen  für  diese  erste  glorreiche  Waffenthat!
Er  belfe  weiter!“

Infolge  dieses  Sieges  verlegte  der  König  das  Große  Zauptquartier
am  7.  August  von  Mainz  näher  an  den  Feind  heran  nach  Homburg  in
der  Hfalz.  Die  kurze  Eisenbahnfahrt  versetzte  ihn  mitten  in  den  Krieg
hinein.  Das  kleine  Städtchen  war  mit  Sinquartierung  überfüllt;  nur
ein  paar  kleine  Simmerchen  konnten  für  den  König  beschafft  werden.
Aber  eine  stille  Freude  erhob  ihn:  hatte  er  doch  noch  kurz  vor  der  Abfahrt
  die  Nachricht  von  dem  zweiten,  noch  glänzenderen  Siege  des  Kronprinzen
  bei  Wörth  erhalten!  Und  jetzt  traf  Depesche  um  Depesche  ein,
aus  denen  immer  klarer  sich  ergab,  daß  der  Kronprinz  das  ganze  Corps
des  Mlarschalls  Mac  Mahon  vernichtet  und  zersprengt  hatte.  „Welches
Glück“",  telegraphierte  der  König  an  seine  Gemahlin,  „dieser  neue  große
Sieg  durch  Fritz.  Hreise  Gott  für  Seine  Gnade!“  Aber  auch  die  neue
große  Freude  machte  ihn  nicht  vergessen,  was  er  als  seine  Oflicht  ansah.
Stundenlang  stand  er  in  Komburg  im  Regen,  um  das  sächsische  (12.)
Armeecorps  durch  das  Städtchen  marschieren  zu  sehen.

Am  Tachmittage  des  90.  August  rückte  das  Große  HBauptquartier
nach  Saarbrücken  weiter.  In  einem  einfachen  Landauer,  den  vier  starke
Braune  zogen,  von  Hostillonen  aus  dem  Sattel  gefahren,  während  den
Bocksitz  seine  zwei  einzigen  Kammerdiener  einnahmen,  machte  der  greise
Oberfeldherr  die  Hahrt;  und  nicht  anders  hat  er  seinen  Siegeszug  bis
nach  Dersailles  gemacht.

An  dem  Siegestage  von  Wörth  war  auch  Steinmetz  mit  der  Ersten
Armee  vorgegangen  und  hatte  in  sehr  blutigem  Ringen  die  Franzosen
von  den  Höhen  von  Spichern  vertrieben.  Jetzt  biwakierten  die  Truppen
auf  den  Feldern.  Aber  auf  die  Kunde,  daß  der  König  komme,  stürmten
sie  herbei  und  stellten  sich  am  Wege  auf.  kllanche  hielten  sich  mühsam
an  Bäumen  und  Gesträuch  fest,  um  nicht  von  den  steilen  Höhen  zur  Seite
des  Weges  hinabzustürzen.  Aber  mit  begeistertem  Rurra  in  heller  Freude
begrüßten  sie  ihren  allgeliebten  Herrscher,  der  mit  freundlichem  Winke
den  Braven  dankte.  Er  besuchte  das  Schlachtfelldd  vom  sechsten.  Er  würde