Abrechnung  mit  Frankreich.  473

es  nicht  für  möglich  gehalten  haben,  meinte  er,  daß  diese  Höhen  von
Spichern,  auf  denen  sich  die  Franzosen  verschanzt  gehabt  hatten,  überhaupt
genommen  werden  könnten.  Aber  aus  den  Eisenbahnzügen  hatten  sich
die  Pommern  in  den  Kampf  gestürzt  und  unter  dem  Feuer  des  Feindes
die  unersteiglich  scheinenden  Höhen  erstürmt!  Freilich  nicht  wenige  lagen
jetzt  in  den  Lazaretten  der  Stadt,  wo  sie  der  König  in  der  Frühe  des
nächsten  Morgens  besuchte  und  die  Tapferen  mit  freundlichem  Suspruch
erquickte.

Im  Begriff  jetzt  den  Boden  Frankreichs  selbst  zu  betreten,  richtete
der  König  von  Saarbrücken  aus  am  11.  August  eine  Hroklamation  an
das  französische  Dolk.  „Ich  führe  Krieg“,  kündigte  er  ihm  an,  „mit  den
französischen  Soldaten  und  nicht  mit  den  Bürgern  Frankreichs.  Diese
werden  demnach  fortfahren,  einer  vollkommenen  Sicherheit  ihrer  Herson
und  ihres  Eigentums  zu  genießen,  und  zwar  so  lange,  als  sie  Mich  nicht
selbst  durch  feindliche  Unternelmungen  gegen  die  deutschen  Truppen  des
Rechtes  berauben  werden,  ihnen  Meinen  Schutz  angedeiben  zu  lassen.“

Swischen  Saarbrücken  und  Forbach  führte  die  Landstraße  über  die
französische  Grenze.  Aber  die  vorbeimarschierenden  deutschen  Soldaten
hatten,  der  Sukunft  vorgreifend,  die  französischen  Grenzzeichen  umgestürzt.
Allein  an  den  finster-drohenden  Alienen  der  Bewohner  mochte  der  König
erkennen,  daß  er  sich  jetzt  in  Feindesland  befand.  Für  die  Nacht  blieb
das  Zauptquartier  in  dem  Städtchen  St.  Avold.  Die  Situation  war  nicht
ohne  Gefahr;  denn  von  den  rasch  vorrückenden  deutschen  Truppen  waren
außer  zwei  Kompanien  des  TLeib-Grenadierregiments  keine  in  dem
Städtchen,  während  in  den  benachbarten  Wäldern  und  Bauernhäfen  sich
Hunderte  von  versprengten  französischen  Soldaten  verborgen  hielten.  So
nahe  lag  die  Gefahr  eines  nächtlichen  Uberfalles,  daß  der  König  seinem
Kammerdiener  den  Befehl  gab,  ihm  die  Reithosen  zurechtzulegen,  falls
„es  in  der  Nacht  etwas  geben“  sollte.

Indessen  der  Frieden  der  Wacht  blieb  ungestört.  Dagegen  langten
sellr  wichtige  Tachrichten  über  die  Dorgänge  bei  der  französischen  Armee
an.  Napoleon  hatte  nach  der  zweifachen  Riederlage  am  6.  August  die
„Rheinarmee“  bis  hinter  die  Nied  zurückgenommen  und  suchte  die  vier
Corps,  aus  denen  sie  bestand,  durch  die  Heranziehung  des  sechsten  von
Thalons  zu  verstärken.  Sugleich  hatte  er  jetzt  den  Oberbefehl  an  den
Marschall  Bazaine  abgegeben.  Dieser  aber  hielt  es  für  notwendig,  die
gesamten  Streitkräfte  bis  nach  Haris  zurückzuführen  und  erst  unter  den
Mauern  der  Rauptstadt  in  eine  Entscheidungsschlacht  sich  einzulassen.  Es
war  daher  für  die  Deutschen  von  häöchster  Wichtigkeit,  vor  der  Der-