474  Zehntes  Kapitel.

einigung  aller  feindlichen  Streitkräfte  die  Entscheidung  herbeizuführen.
Demgemäß  befahl  König  Wilhelm,  um  den  Abzug  der  Franzosen  zu  ver—
hindern,  den  allgemeinen  Vormarsch  der  deutschen  Heere  gegen  die  Wosel.
Das  Hauptquartier  rückte  zugleich  am  13.  August  in  der  Richtung  auf
Metz  bis  Herny  vor.  Freilich  fand  in  dem  kleinen  Grtchen  nur  die
nächste  Umgebung  des  Königs  Unterkunft;  selbst  der  König  hatte  so  wenig
Raum,  daß  seine  Kammerdiener  auf  dem  Flur  vor  der  Thür  des  Königs
schlafen  mußten.

Da  langte  auch  schon  von  Steinmetz  die  Meldung  an,  daß  er
Kühlung  mit  dem  Feinde  habe.  Denn  sein  Weg  war  der  kürzeste  gewesen:
  die  Ostseite  der  Moselfestung  Metz  war  ihm  als  Siel  gegeben.
Und  kurz  danach  traf  auch  vom  Drinzen  KFriedrich  Karl  die  gleiche  Meldung
  ein.  Sugleich  ließ  der  Prinz  bei  dem  Könige  anfragen,  wie  die
politische  Situation  sei;  er  müsse  das  wissen,  bevor  er  sich  zu  der  unmittelbar
  bevorstehenden  Schlacht  entschlösse.  Aber  der  König  ließ  ihm
antworten:  vor  der  Hand  sei  der  Sieg  in  einer  rangierten  Schlacht  ohne
alle  Rücksicht  auf  anderweitige  Derhältnisse  das  nötigste;  aus  einem  solchen
werde  weiteres  sich  leichter  vorteilhaft  entwickeln  lassen,  als  wenn  man
jetzt  schon  die  etwa  drohenden  politischen  Derhältnisse  berücksichtigen  wolle.
Als  Siel  wurde  der  Sweiten  Armee  Hont--à-Mousson  gegeben,  während
der  Kronprinz,  nachdem  er  die  Wasganpässe  überschritten,  in  der  Richtung
auf  VNancy  vorrückte.

Jedermann  fühlte  die  Entscheidung  nahe.  In  Wahrheit  aber  hatte
der  große  Entscheidungskampf  schon  begonnen.  Wie  friedlich  indes  sah
in  Herny  am  1d.  August  noch  alles  aus!  Die  Ruhe  des  Sonntags  lag
über  dem  Ort;  Glockengeläut  tönte  aus  den  benachbarten  Dörfern  herüber.
Nach  mehreren  Regentagen  stand  die  Sonne  strahlend  am  Kimmel.  Da,
am  Nachmittage,  vernahm  man  in  der  KFerne  von  Westen  her  Kanonendonner.
  Bald  steigerte  er  sich;  aber  niemand  legte  ihm  großes  Gewicht
bei.  Denn  die  allgemeine  Aleinung  war,  daß  erst  morgen,  den  Wapoleonstag
  zu  feiern,  die  Franzosen  etwas  Großes  unternehmen  würden.  Sehr
überraschend  wirkte  daher  die  Mleldung,  die  Steinmetz  am  Abend  sandte,
daß  er  seit  Mittag  mit  den  Franzosen  im  Kampfe  liege.  Die  Erste
Armee  war  auf  die  Nachhut  Bazaines  gestoßen,  die  eben,  um  abzurücken,
die  Selte  abbrach.  Sofort  war  Steinmetz  zum  Angriff  vorgegangen  und
hatte  dadurch  Bazaine,  um  seinem  angegriffenen  dritten  Corps  Hilfe  zu
leisten,  gezwungen,  auch  das  schon  abmarschierende  vierte  Corps  wieder
kehrt  machen  zu  lassen.  Bis  auf  das  Glacis  von  Wetz  waren  am
Abend  die  Hreußen  vorgedrungen;  dann  aber  hatte  sie  Steinmetz,  zahl-