Abrechnung  mit  Frankreich.  475

reiche  Derwundete  aufgebend,  10  Kilometer  bis  nach  Dange  zurückgebhen
lassen,  wo  sie  bessere  Unterkunft  finden  sollten,  als  Biwaks  auf  dem
Schlachtfelde  sie  boten.

Damit  waren  aber  die  Truppen  sehr  wenig  einverstanden.  Dadurch
daß  sie  in  die  Stellungen,  die  sie  vor  der  Schlacht  inne  gehabt  hatten,
zurückkehren  mußten,  kamen  sie  sich  wie  besiegt  vor  und  zweifelten  nicht,
daß  die  Franzosen  sich  jetzt  den  Sieg  zuschreiben  würden.  Aber  auch
König  Wilhelm  fand  die  Mlaßregel  bedenklich.  Sobald  er  die  Meldung
erhalten,  fuhr  er  nach  Hange,  wo  er  zu  Dferde  stieg.  In  Hange  sah  es
wüst  aus.  Die  Männer  aus  allen  Dörfern  der  Umgegend  waren  zum
Schanzenbau  nach  Metz  berufen  worden,  die  Weiber  hatten  sich  geflüchtet,
und  in  den  leeren,  mit  Derwundeten  überfüllten  Häusern  fanden  die
Deutschen  nichts,  als  was  sie  selbst  mitbrachten.  Sofort  befahl  der  König,
daß  alle  Derwundeten,  deren  Zustand  es  nur  irgend  zuließ,  weiter  zurückgefahren
  werden  sollten,  um  in  Hange  TLuft  zu  schaffen.  Dann  beritt  er
während  des  ganzen  Nachmittags  das  Schlachtfeld,  an  Ort  und  Stelle
den  Gang  der  Schlacht  sich  veranschaulichend.  We  er  sich  zeigte,  begrüßten
  ihn  die  Truppen  mit  so  begeistertem  Burra,  daß  Augenzeugen
versichern,  es  auf  vier  Kilometer  Entfernung  gehört  zu  haben:  es  war,
als  wenn  sie  sich  sicher  fühlten,  daß  ihnen  jetzt  keine  Unbill  mehr  zugemutet
  werden  würde.

Am  Abend  kehrte  der  König  nach  Herny  zurück  und  versammellte
nach  dem  Diner  die  Generale  um  sich.  Man  berichtete  ihm,  was  die
französischen  Gefangenen  ausgesagt  hatten,  zumal  auch  von  dem  Miß—
trauen  und  der  Abneigung,  welche  die  ganze  französische  Armee  gegen
den  Kaiser  Mapoleon  zeige.  Mit  Klarheit  stellte  sich  sein  Schicksal  schon
jetzt  dem  geistigen  Auge  König  Wilbelms  dar.  „Sigentlich  thut  mir
Rapoleon  leid“,  sagte  er,  „denn  er  hat  Frankreich  besser  als  irgend  einer
seiner  Dorgänger  regiert  und  erleidet  nur  die  Folgen  davon,  daß  er  sich
einer  parlamentarischen  Regierung  in  die  Arme  geworfen  hat.  Am  besten
wäre  es,  wenn  wir  mit  ihm  Frieden  schließen  könnten;  denn  weder  eine
Republik,  noch  die  Orleans  oder  Bourbons  werden  das  Land  so  gut
regieren,  wie  er  es  regiert  hat.  Aber  freilich,  einen  gedemütigten  Napoleon
wird  Frankreich  auch  nicht  ertragen  wollen!“

Und  nun,  nachdem  er  alles  selbst  geprüft,  sprach  der  König  auch  sein
Urteil  über  das  Surückgehen  der  Ersten  Armee  auf  Hange  offen  aus.  Er
mißbilligte  es,  daß  Steinmetz  die  gewonnenen  Stellungen  nicht  behauptet
hatte;  aber  freilich,  setzte  er  hinzu,  für  den  weiteren  Gang  des  Krieges
sei  das  gleichgültig,  da  die  Entscheidungsschlacht  doch  erst  jenseit  Metz