476  Sehntes  Kapitel.

stattfinden  würde.  Demgemäß  befahl  er,  daß  am  nächsten  Mittage  das
Große  Hauptquartier  nach  der  Stadt  Hont-à-Mousson  vorrücken  solle.

Der  Sieg  der  Ersten  Armee  bei  Colombey  hatte  doch  insofern  zu
der  Entscheidung  beigetragen,  als  er  Bazaine  kostbare  Zeit  gekostet  hatte.
Denn  erst  am  16.  kam  dieser  jetzt  dazu,  sein  Heer  an  der  Westseite  von
Metz  aufzustellen.  Er  wartete  nur  noch  auf  das  Heranrücken  seines  5.
und  4.  Corps,  um  dann  gemeinschaftlich  mit  diesen  den  Marsch  nach  der
Maas  westwärts  anzutreten.  Allein  ohne  Säumen,  sobald  er  nur  die
Mosel  überschritten  hatte,  griff  Hrinz  Friedrich  Karl  mit  dem  5.  Armeecorps
  den  dreifach  überlegenen  Feind  an,  erstürmte  die  Dörfer  Mars  la
Tour  und  Dionville  und  behauptete  sie  mit  unerschütterlicher  TLapferkeit
gegen  die  feindliche  Ubermacht.  während  des  Kampfes  aber  zieht
Bazaine  die  beiden  erwarteten  Corps  heran,  und  auch  die  Dreußen  erhalten
  vom  4.  und  10.  Armeecorps  Hilfe.  Aber  immer  noch  stehen  nicht.-mehr
  als  60000  Hreußen  gegen  150  000  Franzosen.  Allein  trotz  dieses
Mißverhältnisses  gelingt  es  dem  Hrinzen  durch  die  Wucht  gewaltiger
Kavallerieangriffe  den  Gegner  festzuhalten.

In  Pont-à-Mousson  wartete  auf  den  König,  als  er  gegen  Abend
dort  anlangte,  schon  die  Meldung  des  Hrinzen,  daß  er  seit  Mittag  mit
den  Franzosen  in  ein  Gefecht  verwickelt  sei.  Aber  es  schien,  daß  eine
große  Schlacht  erst  für  den  nächsten  Tag  zu  erwarten  sei.

Der  König  wohnte  in  Dont-à-Wousson  in  einem  Hrivathause,  Ecke
der  Rue  Militaire  und  der  Rue  Raugraf.  Die  Musik  des  sächsischen
Regiments  Drinz  Georg  brachte  ihm  eine  Serenade;  aber  die  feindselig
gesinnten  Einwohner  hielten  sich  fern:  man  sah  in  der  breiten  Rue
Militaire  nur  deutsche  Soldaten  und  Offiziere.

Von  dem  Städtchen  Gorze,  wo  sich  das  Hauptquartier  der  Sweiten
Armee  befand,  bis  Hont-à-Mousson  sind  50  Kilometer.  Tief  in  der
Macht  langte  daher  erst  die  Meldung  des  Hrinzen  Friedrich  Karl
von  dem  glücklichen  Ausgange  der  Schlacht  und  der  jetzt  veränderten
Stellung  seiner  Torps  im  Großen  RKauptquartier  an.  Schon  am  Abend
hatte  man  hier,  da  es  windstill  geworden,  deutlich  von  Nordwesten  her
Kanonendonner  gebört  und  mit  großer  Spannung  der  Meldung  entgegengesehen,
  allein,  da  sie  nicht  kam,  sich  doch  zur  Rube  begeben.
Jetzt  —  um  2  Uhr  nachts  —  war  die  Siegeskunde  dal  Wan  weckte
den  König.  Er  befahl  sofort  die  Reitpferde  nach  Gorze  vorauszuschicken.
Swei  Stunden  später,  als  der  Morgen  eben  graute,  saß  er  schen  selbst
im  Wagen,  in  schärfster  Gangart  dem  Schlachtfelde  zufahrend.  Bei  der
Rochfläche  von  Flavigny  verließ  er  den  Wagen  und  bestieg  den  Romeo,