Abrechnung  mit  Frankreich.  477

der  den  greisen  Helden,  bis  die  große  Entscheidung  gefallen  war,  ge—
tragen  hat.  Hier  erwarteten  Prinz  Friedrich  Karl  und  der  kommandierende
  General  des  5.  Armeecorps  von  Alvensleben  den  König,  der  nun
das  ganze  Schlachtfeld  des  16.  beritt  und  sich  an  Ort  und  Stelle  von
jenen  über  den  Gang  der  Schlacht  Bericht  erstatten  ließ.  Die  Truppen,
denen  der  König  begegnete,  waren  alle  in  kampfesfreudigster  Stimmung;
sie  glaubten,  daß,  nachdem  der  König  bei  ihnen  eingetroffen,  nun  der
Kampf  bis  zur  letzten  Entscheidung  alsbald  fortgeführt  werden  würde.
Etwa  um  10  Uhr  machte  der  König  einen  kurzen  Halt;  er  stieg  vom
Pferde.  Rasch  wurden  einige  französische  Tornister  zusammengesucht,
übereinander  gelegt  und  mit  einem  Stück  Seltleinwand  überdeckt.  Darauf
ließ  sich  der  König  nieder  und  verlangte  etwas  zu  essen.  Sum  GElück
hatte  der  TLeibreitknecht  in  der  Satteltasche  etwas  kalte  Küche  mitgenommen.
  Nachdem  der  König  in  guter  Laune  davon  gegessen,  bestieg
er  wieder  den  Romeo  und  ritt  weiter.

Das  Reranrücken  der  deutschen  Corps,  die  zum  Teil  noch  die  Mosel
zu  überschreiten  hatten,  verzögerte  sich  indessen  so,  daß  Hrinz  Friedrich
Karl  es  nicht  mehr  für  ratsam  hielt,  an  demselben  Tage  noch  —  dem
17.  August  —  den  Kampf  zu  erneuern.  Dieswar  auch  die  Meinung  des
Königs.  Er  gab  daher  den  Befehl,  heute  nicht  weiter  anzugreifen,  aber
sich  auf  morgen  zu  einer  wahrscheinlich  großen  Schlacht  vorzubereiten:
Und  für  diese  traf  der  König  gleich  an  Ort  und  Stelle  die  wichtigsten
Dispositionen.  Dann  ritt  er  nach  Gorze  zurück  und  bestieg  dicht  vor  dem
Städtchen  seinen  Wagen,  um  nach  Hont-à-Ellousson  zurückzukehren.

Gorze  war  so  mit  Soldaten  und  Kriegsmaterial  überfüllt,  daß  der
Wagen  des  Königs  beim  Hindurchfabhren  einige  Augenblicke  anhalten
mußte.  In  diesem  Moment  trat  eine  Ordonnanz  an  den  Wagen  und
überreichte  dem  Könige  im  Auftrage  eines  Offiziers,  der,  in  dem  nächsten
Rause  schwer  verwundet  untergebracht,  von  dem  Horüberfahren  des
Königs  gehört  hatte,  eine  schöne  rote  Rose.  Es  war  der  Zauptmann
von  Sedtwitz  vom  72.  Inufanterieregiment,  der  seinem  Könige  diese  sinnige
RKuldigung  darbrachte.  Sie  machte  diesem  eine  so  große  Freude,  daß  er,
als  es  wieder  Frieden  geworden,  dem  Wiederhergestellten  „in  dankbarer
Erinnerung“  als  Gegengabe  sein  Bild  übersandte,  in  dessen  Goldrahmen
eine  in  mattem  Silber  getriebene  Rose  angebracht  war.

Der  Sieg  der  Deutschen  bei  Vionville  hatte  der  französischen  Armee
den  Abmarsch  nach  Thalons  verlegt  und  sie  gezwungen,  sich  näher  an
Metz  bheranzuziehen.  Hier  hatte  sie  nun  vor  den  Forts  St.  Quentin  und
Plappeville  auf  der  steil  ansteigenden  Bochfläche  von  Amamwillers,  Front