478  Zehntes  Kapitel.

gegen  Westen,  eine  starke  Defensivstellung  eingenommen.  Etagenförmig
waren  am  Abhange  Schützengräben  angelegt  und  auf  der  Höhe  die
Batterien  aufgefahren.  Den  linken  Flügel  schützte  überdies  die  enge
Schlucht  von  Mance.  Die  Aufgabe  der  Deutschen  war  demnach,  aus
dieser  Stellung  die  Franzosen  in  die  Festung  Metz  bineinzudrängen.
Freilich  ihrer  ganzen  Kraft  bedurften  sie  dazu.  Indessen  war  nach  den
WMeldungen  mit  Sicherheit  anzunehmen,  daß  das  Gardecorps  und  das
pommersche  Armeecorps  schon  soweit  heran  waren,  um  mit  Erfolg  in  diese
letzte  Phase  des  Entscheidungskampfes  bei  Mietz  mit  eingreifen  zu  können.

wieder  mit  dem  ersten  Morgengrauen  verließ  der  königliche  Oberfeldherr
  Hont-à-Mlousson,  um  persönlich  den  gewaltigen  Kampf  zu  leiten.
Um  6  Uhr  bestieg  er  bei  Gorze  den  Romeo  und  ritt  zu  der  HPochfläche
hinauf,  die  zwischen  Gorze  und  Flavigny  sich  erbebt.  Hier  nahm  er  die
Mleldungen  entgegen,  die  über  den  Stand  der  deutschen  Armeecorps  wie
über  die  Aufstellung  des  Feindes  ihm  überbracht  wurden.  In  gespannter
Erwartung  verging  der  HDormittag;  denn  wenn  die  Franzosen  standhbielten,
so  mußte  es  bei  der  Uberlegenheit  ihrer  Stellung  und  ihrer  Bewaffnung
eine  sehr  blutige  Schlacht  werden.  Das  7.,  8.  und  0.  Corps  standen
zum  Angriff  bereit.  Da  gab  denn  um  Mittag  der  König  den  Befehl
zum  Horrücken.  Unter  seinen  Augen  gingen  sie  gegen  die  Wälder  Bois
des  Oignons  und  de  Daux  vor  und  griffen  die  Aufstellung  der  Franzosen
in  der  Front  an.  Nun  langte  auch  die  Meldung  des  Generals  Fransecky
an,  daß  er  mit  den  Spitzen  seines.  pommerschen  Armeecorps  um  3  Uhr
auf  dem  Schlachtfelde  eintreffen  würde.

Die  Franzosen  standen  fest.  Mit  der  größten  Heftigkeit  entbrannte
bald  der  Kampf.  Der  König  ritt  von  seinem  Standorte  herab  und  stellte
sich  weiter  nach  rechts,  seitwärts  von  dem  Dorfe  Rezonville  auf,  von
wo  er  das  ganze  Schlachtfeld  südlich  von  Gravelotte  überseben  konnte.
Die  angreifenden  Corps  hatten  den  Befehl  bekommen,  nicht  zu  stark  zu
drängen,  da  der  König  erst  durch  den  Flankenangriff  der  Garden  und
des  sächsischen  Armeecorps,  die  noch  nicht  heran  waren,  die  Entscheidung
der  Schlacht  herbeizuführen  gedachte.  So  machten  sie  bei  dem  tapferen
Widerstande  der  Franzosen  nur  geringe  Fortschritte.  Der  König  ritt
daher,  um  den  Stand  der  Dinge  besser  zu  erkennen,  auf  der  Chaussee
bis  dicht  vor  das  Dorf  Gravelotte.  Hier  nun  war  es,  wo  er  um  6  Uhr
abends  die  Meldung  erhielt,  daß  die  Umgehung  des  rechten  Flügels  des
Feindes  durch  die  Garden  und  Sachsen  vollständig  gelungen  und  bei
St.  Hrivat  der  Kampf  in  der  Flanke  der  Franzosen  beftig  entbrannt  sei.
Der  König  ritt  daher  zu  der  hochliegenden  Ferme  Malmaison  hinauf,  um