482  Zehntes  Kapitel.

da  fühlte  er  sich  zu  tief  erschüttert,  um  den  Ritt  zu  unternehmen.  Er
ließ  sich  nur  von  den  Generalen  Vortrag  halten,  bestimmte,  was  weiter
geschehen  sollte,  und  bestieg  dann  seinen  Wagen,  um  nach  Hont-à-Mousson
zurückzufahren.  Ein  Gewitter  stieg  unterdessen  herauf;  unterwegs  brach
es  los,  und  unter  Blitz  und  Donner  kehrte  der  Sieger  von  Gravelotte,
gleichsam  unter  dem  Salut  des  Himmels,  in  sein  Quartier  zurück.  Elückwünschend
  suchte  ihn  hier  am  nächsten  Vormittage  der  Kronprinz  auf.
Welche  Freude  für  den  König,  dem  ruhmbekränzten  Sieger  von  Wörth
persönlich  das  Eiserne  Kreuz  1.  Klasse  zu  überreichen!  Es  war  das  erste
dieser  Klasse,  das  in  dem  Feldzuge  zur  Verleihung  kam.

Schon  in  Zezonville  hatte  der  König  befohlen,  daß  die  Erste  Armee
unter  den  Oberbefehl  des  Hrinzen  Friedrich  Karl  treten  sollte,  dem  die
Einschließung  der  Festung  Metz  und  der  darin  gefangenen  französischen
„Rheinarmee“  übertragen  war.  Dafür  aber  gab  dieser  von  seiner  Armee
das  Gardecorps,  das  4.  und  12.  Armeecorps  sowie  2  Kavalleriedivisionen
her,  aus  denen  die  „Maasarmee“  unter  dem  Gberbefehle  des  Kronprinzen
Albert  von  Sacksen  gebildet  wurde.  Ihre  Aufgabe  war,  im  Derein  mit
der  Dritten  Armee,  die  der  preußische  Kronprinz  führte,  gegen  die  Armee
zu  operieren,  die  der  Marschall  Wac  Mahon  in  einer  Stärke  von
150  000  Mkann  in  dem  Lager  von  Chalons  zusammengebracht  hatte.
Bei  dieser  befand  sich  auch  der  Kaiser  Napoleon.  Schon  reichten  nach
einem  Marsche  weniger  Tage  die  beiden  „Kronprinzen-Armeen“  zu  gemeinsamem
  Angriffe  auf  das  Lager  von  Chalons  sich  die  Hand,  als  die
überraschende  Meldung  einging,  daß  das  Lager  leer  sei.  Napoleon  hatte
dem  Marschall  befohlen,  es  zu  verlassen  und  längs  der  belgischen  Grenze
vorzugehen,  um  den  in  Metz  eingeschlossenen  Bazaine  zu  entsetzen.  Das
Siel  der  beiden  Kronprinzen  war  demnach,  die  Armee  des  Marschalls
zwischen  sich  zu  bringen,  bevor  sie  Metz  erreichen  könnte.  Die  Dritte
Armee  schwenkte  daher  rechts  nordwärts  ein:  eine  höchst  schwierige  taktische
Bewegung,  die  der  Kronprinz  ohne  jede  Stockung  mit  erstaunlicher
Schnelligkeit  vollzog,  während  die  Maasarmee  in  gerader  Richtung  westwärts
  vorrückte.  Sie  hatte  den  kürzeren  Weg  und  mußte  also  zuerst
auf  den  Feind  treffen.

Das  Große  Zauptquartier  blieb  unterdessen  noch  bis  zum  25.  August
in  Hont--à-Mousson;  dann  rückte  es  nach  dem  Städtchen  Commercy  vor.
Durch  Zufall  wurde  hier  für  den  König  in  demselben  Hause  Cuartier
gemacht,  in  dem  er  in  dem  Feldzuge  von  1815  im  Gefolge  seines  königlichen
  Daters  gewohnt  hatte.  Der  Dergleich  der  Seiten  drängte  sich  ihm
auf:  aber  wie  ganz  anders  als  damals  war  jetzt  die  Stellung  Hreußens!