Abrechnung  mit  Frankreich.  485

Das  Hauptquartier  der  Dritten  Armee  war  schon  bis  Chemery  vor—
geschoben.  Dorthin  begab  sich  von  dem  Schlachtfelde  der  König.  Mit  seinem
Heldensohne  hatte  er  eine  lange  Unterredung.  Denn  eine  Schlacht  ist  unter
allen  Umständen  ein  sehr  ernstes  Ding.  Darüber  war  es  spät  geworden;
erst  mit  Einbruch  der  Dunkelheit  langte  er  in  Vendresse  an,  wohin  er,  um
der  Entscheidung  nahe  zu  sein,  das  Große  Hauptquartier  vorgeschoben
hatte.  In  dem  prachtvoll  eingerichteten  Hause  des  Kaufmanns  Haumont
hatte  hier  der  König  sein  Quartier.  Zum  Thee  beschied  er  die  Generale  zu
sich:  und  nun  gab  er  ihnen  die  Dispositionen  für  die  bevorstehende  Schlacht
und  ließ  sie  sogleich  durch  Ordonnanzen  an  die  Armeecorps  befördern.

Ein  dichter,  weißer  Nebel  lag  in  der  Frühe  des  1.  September  über
dem  breiten  Thale  der  Maas.  Hier  und  da  blitzte  im  Süden  ein  Feuer—
schein  hindurch:  es  war  der  Angriff  der  Bayern  auf  Bazeilles.  Um
6  Uhr  früh  verließ  der  König  Dendresse.  In  TCheveuges  am  Fuße  des
Bergrückens,  der  hier  das  Maasthal  begrenzt,  stieg  er  zu  Pferde.  Es
war  8  Uhr.  Er  ritt  den  Bergrücken  hinauf  und  nahm  dann  seine  Aufstellung
  zwischen  Krenois  und  Wadelincourt.  Allein  bald  bemerkten  ihn
die  Franzosen  und  richteten  in  der  Festung  ihr  schweres  Geschütz  nach  der
Stelle.  Mehrere  Granaten  schlugen  in  der  Nähe  des  Königs  ein,  so  daß
er  den  Befehl  gab,  die  Dferde  hinter  den  Rand  der  Höhe  zurückzuführen.

Um  11  Uhr  war  die  Schlacht  auf  der  ganzen  Linie  im  Gange.
Der  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  hatte  persönlich  von  der  Höhe  bei
Donchery  das  Dorrücken  seines  linken  Flügels  geleitet;  jetzt  kam  er  von
dort  zu  dem  Könige  herüber  und  blieb  bis  zum  Ende  der  Schlacht  in
seiner  Nähe.  Um  halb  4  Uhr  war  die  völlige  Einschließung  der  Franzosen
  vollendet;  und  jetzt  kam  denn  auch  die  Meldung,  daß  alles  in  die
Festung  aufgelöst  hineindränge.  Allein  kein  Seichen  erschien,  daß  sie  an
Ergebung  dächten.  Da  befahl  denn  der  König,  um  dem  schon  wankenden
  Feinde  den  letzten  Kalt  zu  nehmen,  daß  die  schweren  baprischen
Batterien  ihr  Feuer  auf  die  Festung  konzentrieren  und  sie  in  Brand
schießen  sollten.  Das  wirkte  indessen  auch  noch  nicht.  Dennoch  ließ  der
König,  sobald  an  mehreren  Stellen  in  der  Stadt  die  Flammen  aufschlugen,,
das  Feuer  einstellen  und  sandte  den  Oberstleutnant  Bronsart  von  Schellendorff
  als  Harlamentär  in  die  Stadt,  um  Festung  und  Armee  zur  Ergebung
aufzufordern.  Sugleich  meldete  er  der  Königin  in  Berlin  durch  den  Feldtelegraphen
  die  „siegreich  fortschreitende  Schlacht."“

Bronsart  wurde  in  die  Festung  eingelassen  und  auf  seine  Frage  nach
dem  Gberstkommandierenden  vor  den  Kaiser  Tapoleon  geführt,  der  ihm
sofort  einen  Brief  an  den  König  übergeben  wollte.  Der  Kaiser  fragte