Abrechnung  mit  Frankreich.  491

Moltke  mit  der  vollzogenen  Kapitulation  ihm  folgten.  Das  Gesicht  des
Königs  erheiterte  sich,  als  er  von  diesen  die  Kapitulation  entgegennahm.
Nachdem  er  sie  gelesen,  ließ  er  sie  durch  den  Generaladjutanten  von  Treskow
seiner  Umgebung  laut  vorlesen.  Schon  während  der  Schlacht  hatten
die  Deutschen  21000  Mann  gefangen  genommen.  Jetzt  ergab  sich  ihnen
durch  die  Kapitulation  eine  Armee  von  84  450  Mann,  darunter  1  Warschall
  und  50  Generale,  mit  sämtlichen  Adlern,  Geschützen  und  Pferden
kriegsgefangen:  ein  Triumph  für  die  Deutschen,  völlig  ohnegleichen  in
der  Peltgeschichte!  Was  wollte  hiergegen  die  Kapitulation  der  24  000
Gsterreicher  bei  Ulm,  die  bisher  für  die  größte  gegolten,  bedeuten!

„Sie  wissen  nun,  meine  Berren“,  wandte  sich  nach  der  Derlesung
der  König  an  seine  Umgebung,  in  der  sich  auch  eine  Anzahl  von  deutschen
  Fürsten  und  Hrinzen  befand,  „welch  großes,  weltgeschichtliches  Ereignis
  sich  zugetragen  hat.  Ich  verdanke  dies  den  ausgezeichneten  Thaten
der  vereinigten  Armeen,  denen  ich  mich  gerade  in  diesem  Augenblicke
gedrungen  fühle,  meinen  königlichen  Dank  auszusprechen  —  um  so  mehr,
als  diese  großen  Erfolge  wohl  geeignet  sind,  den  Kitt  noch  fester  zu  gestalten,
  der  die  Fürsten  des  Morddeutschen  Zundes  und  meine  andern
Verbündeten,  deren  fürstliche  Mitglieder  ich  in  diesem  großen  Momente
zahlreich  um  mich  versammelt  sehe,  mit  uns  verbindet,  so  daß  wir  hoffen
dürfen,  einer  glücklichen  Sukunft  entgegenzugehen.  Allerdings  ist  unsere
Aufgabe  mit  dem,  was  sich  unter  unsern  Augen  vollzieht,  noch  nicht
vollendet;  denn  wir  wissen  nicht,  wie  das  übrige  Frankreich  es  aufnehmen
und  beurteilen  wird.  Darum  müssen  wir  schlagfertig  bleiben;  aber  schon
jetzt  sage  ich  jedem  meinen  Dank,  der  ein  Blatt  zum  TLorbeer=  und
Ruhmeskranze  unseres  Haterlandes  beigetragen.“

Der  König  hatte  geendet.  Tief  ergriffen  von  dem  großen  Moment
schwiegen  alle.  Die  Dferde  wurden  vorgeführt,  und  den  ruhmbekränzten
Sohn,  der  ganz  besonders  zu  dem  Erfolge  beigetragen,  zur  Seite,  während
je  ein  Sug  der  Stabswacke  voranritt  und  folgte,  ritt  der  König  die
Doncherrhöhe  hinab  nach  Bellevue  zu,  wo  sein  hoher  Gefangener  auf
ihn  wartete.  In  gebeugter  Zaltung,  fahlgrau  im  Gesicht,  barhäuptig
mit  verworrenem  Baar  trat  der  Kaiser  auf  die  Treppe  vor  dem  Schlößchen,
  als  König  Wilhelm,  hochgewachsen,  in  kräftiger  Haltung,  mit  frischgerötetem
  Gesicht,  den  Helm  auf  dem  schneeweißen  Haar,  auf  seinem
Rappen  in  scharfem  Trabe  mit  dem  Kronprinzen  herangeritten  kam.
Stumm  reichten  die  Berrscher  sich  die  Kand,  Mapoleon  drückte  sein  Taschentuch
  gegen  die  Augen,  und  sie  traten  durch  den  Glaspavillon  des  Schlöß-