Kaiser  und  Reich.  507

Fürsten  und  Freien  Städten  in  die  Hand,  und  richtete,  als  alle  bereit
der  Wiederaufrichtung  von  Kaiser  und  Reich  zustimmten,  an  Bismarck
die  Bitte  um  den  Entwurf  eines  an  den  König  von  Preußen  zu  rich—
tenden  Schreibens,  da  man  in  München  die  richtige  Fassung  nicht  zu
finden  vermöchte.  Ohne  Verzug  entsprach  Bismarck  diesem  Wunsche;  und
schon  am  3.  Dezember  kehrte  Graf  Holnstein  von  Schloß  Berg  mit  diesem
Schreiben  König  Cudwigs  zurück.  Noch  an  demselben  Tage  überreichte
es  Prinz  Luitpold  von  Bayern  auf  Befehl  seines  königlichen  Neffen  dem
Könige  von  Hreußen.  Als  im  Einverständnis  mit  allen  deutschen  Fürsten
und  Freien  Städten  bat  darin  König  Ludwig  den  preußischen  Herrscher,
daß  fortan  die  Ausübung  der  HOräsidialrechte  mit  Führung  des  Titels
eines  Deutschen  Kaisers  verbunden  werde,  damit  die  dem  Bundespräsidium
zustehenden  Rechte  durch  Wiederherstellung  eines  Deutschen  ZReiches  und
der  Deutschen  Kaiserwürde  als  Rechte  bezeichnet  werden,  welche  der
König  von  Dreußen  im  Namen  des  gesamten  deutschen  Daterlandes  auf
Grund  der  Einigung  seiner  Fürsten  ausübe.

König  Wilhelm  gab  nicht  ohne  einiges  Piderstreben  seine  Sustimmung;
  dem  Wunsche  der  Fürsten  wollte  er  sich  fügen.  Damit  war  denn
Kaiser  und  Reich  in  deutschen  Landen  unwiderruflich  hergestellt;  und  der
Kronprinz  und  Bismarck  reichten  sich  die  Hand,  als  sie  miteinander  das
Simmer  des  Rönigs  verließen.  Mit  Begeisterung  nahm  das  deutsche
Volk  die  Wiederaufrichtung  des  Deutschen  Kaisertums  auf  und  mit  allen
Stimmen  gegen  die  6  der  sozialdemokratischen  Abgeordneten  nahm  der
Norddeutsche  Zeichslag  die  Adresse  an,  in  der  er  seinerseits  König  Wilhelm
  bat,  durch  Annahme  der  Deutschen  Kaiserkrone  das  Einigungswerk
zu  weihen.  Eine  Abordnung  des  Reichstages  begab  sich  nach  Hersailles,
um  dem  Könige  die  Adresse  zu  überreichen.  Im  großen  Saale  der  Dräfektur
  empfing  der  König  die  Deputation;  zu  seiner  Rechten  standen  die
Drinzen  des  Königlichen  Rauses,  zur  Linken  die  regierenden  deutschen
Fürsten,  die  in  Dersailles  anwesend  waren.  Berrliche,  tiefergreifende
Worte  sprach  Simson,  der  Hräsident  des  Reichstages;  gar  manches  Auge
wurde  feucht;  dem  Kronprinzen  liefen  die  hellen  Thränen  über  die  Wangen.
Und  von  draußen  dröhnten  dumpfrollend  die  Kanonenschüsse  des  Mont
Halerien  herein.  Mit  tiefer  Zewegung  nahm  König  Wilbelm  die  Adresse,
nachdem  Simson  sie  verlesen,  entgegen.  In  der  einmütigen  Stimme  der
deutschen  Fürsten  und  Freien  Städte,  antwortete  er,  vor  Rührung  mehrmals
  innehaltend,  und  in  dem  damit  übereinstimmenden  Wunsche  der
deutschen  Tation  und  ihrer  Dertreter  werde  er  den  Ruf  der  Dorsehung
erkennen,  dem  er  mit  Hertrauen  auf  Gottes  Segen  folgen  dürfe.