516  Erstes  Kapitel.

Bordeaux  tagenden  Nationalversammlung  zum  Präsidenten  der  französi—
schen  Republik  gewählt  worden  war,  und  Jules  Favre,  dem  französischen
Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.  Am  20.  Februar  begonnen,
wurden  sie  am  26.  zum  Abschlusse  gebracht,  ohne  doch  den  Wünschen
des  Kaisers  voll  gerecht  zu  werden.

Bei  der  Besichtigung  der  Forts  Issr  und  Douves  hatte  sich  Kaiser
Wilhelm  am  4.  Februar  eine  heftige  Erkältung  zugezogen.  Die  Folge
waren  sehr  heftige  rheumatische  Schmerzen,  die  in  der  Nacht  sich  einstellten.
  Gehen  und  Sichniedersetzen  wurde  ihm  sichtlich  sehr  schwer;
aber  eine  Klage  von  ihm  hörte  man  nicht.  Er  erschien  sogar  zur  Tafel,
mußte  sich  jedoch  bald  wieder  zurückziehen.  Wohl  trat  nach  einigen
Tagen  etwas  Besserung  ein;  allein  da  der  Kaiser  auf  sein  Befinden
durchaus  keine  Rücksicht  nahm,  so  erfolgten  immer  wieder  Rückfälle,  so
daß  schließlich  zur  Anwendung  von  warmen  Bädern  und  Schröpfköpfen
geschritten  werden  mußte.  Gleichwohl  ließ  er  sich  fortlaufend  von  Bismarck
  über  den  Gang  der  Derhandlungen  Dortrag  halten.  Er  wünschte,
daß  die  gesamte  deutsche  Armee  durch  den  Siegeseinzug  in  das  bezwungene
  Haris  ihre  wohlverdiente  Genugthuung  erhalte.  Als  aber  die
französischen  Bevollmächtigten  sich  auf  das  äußerste  dagegen  sträubten,
stellte  er  ihnen  die  Wahl  zwischen  dem  Einzuge  der  Deutschen  in  Haris
und  der  Abtretung  der  Festung  Belfort.  Da  zogen  sie  denn  doch  die
vorübergehende  Demütigung  dem  dauernden  Schaden  vor.  Am  26.  Februar,
nachmittags  um  halb  5  Uhr,  unterzeichnete  der  Kaiser  das  Abkommen
und  verkündigte,  als  er  zur  Tafel  kam,  den  Anwesenden  selber  den  Abschluß
  des  Dräliminar-Friedens.

Am  I.  März  sollte  der  Siegeseinzug  der  Deutschen  in  Haris  stattfinden.
  Die  Sahl  der  Einzielbenden  war  auf  50000  Wann  festgesetzt.
Der  Kaiser  aber  bestimmte,  daß  die  zunächst  einziehende  Abteilung,  aus
Regimentern  des  6.,  11.  und  2.  baprischen  Armeecorps  zusammengesetzt,
später  durch  Regimenter  der  Garde  und  der  andern  Armeecorps  abgelöst
werden  sollte,  bis  die  Tiationalversammlung  in  Bordeaux  den  Frieden
angenommen  hätte.  Denn  er  wünschte,  daß  möglichst  vielen  von  seinen
Tapferen  die  Ehre  des  Einzugs  zu  teil  werden  sollte.

Bei  herrlichem  Frühlingswetter  hielt  Kaiser  Wilhelm  auf  dem  Felde
von  Longchamps  vor  Haris  über  die  einziehenden  Truppen  Harade  ab:
dann  zogen  sie  durch  den  Triumphbogen  der  Slyseischen  Felder  hinab
in  den  ihnen  zugewiesenen  Stadtteil  unter  den  Klängen  des  Hariser  Einzugsmarsches
  von  1814.  In  den  ersten  Reihen  ritt  auch  Graf  Bismarck,
mit  Genugthuung  seine  Sigarre  rauchend.  Am  folgenden  Tage  folgten