520  Erstes  Kapitel.

Deutsch-Lothringen  ab,  14500  Quadratkilometer  mit  1½  Millionen  Einwohnern,
  und  zahlte  fünf  Milliarden  Frank  Kriegskosten.  Mit  Treulosigkeit
  und  Gewalt  war  einst  das  deutsche  Land  seinem  2  Kutterlande  entrissen
  worden.  Jetzt  war  der  Schimpf  gefühnt.

Und  jetzt  ließ  der  Reichstag  sich  angelegen  sein,  dem  deutschen  Reere
und  seinen  Führern  den  Dank  des  Daterlandes  zu  bethätigen.  Für  die
Invaliden  wurde  ein  ansehnlicher  Fonds  sicher  gestellt,  zwölf  Millionen
Mark  wurden  zur  Unterstützung  von  Reservisten  und  Landwehrmännern
angewiesen  und  die  gleiche  Summe  zu  Dotationen  für  die  Heerführer  und
Staatsmänner  bestimmt.  Der  Kaiser  fügte  noch  andere  Ehren  hinzu.
Der  Kronprinz  und  Hrinz  Friedrich  Karl  hatten  während  des  Feldzuges
den  Feldmarschallstab,  Moltke  die  Grafenwürde  erhalten;  jetzt  wurden  der
Kronprinz  Albert  von  Sachsen  und  Moltke  zu  Feldmarschällen  ernannt,
Roon  empfing  die  Grafenwürde  und  Graf  Bismarck  den  Fürstenhut  zugleich
  mit  dem  Sacksenwalde,  den  lauenburgischen  Domänen.

Am  15.  Juni  schloß  Kaiser  Wilbelm  den  Reichstag,  indem  er  in  der
Thronrede  ihm  den  Dank  des  Daterlandes  aussprach.  Und  am  16.  Juni
hielten  die  aus  Frankreich  heimgekehrten  Truppen  ihren  festlichen  Einzug
in  die  Reichshauptstadt  Berlin.  Fröhlichen  Mutes,  ruhmbekränzt  schritten
sie  dahin  durch  eine  Siegesallee  von  7441  eroberten  französischen  Geschützen,
  während  107  französische  Adler  und  Fahnen  im  Triumphe  ihnen
vorangetragen  wurden.  An  der  Spitze  seiner  Tapferen  ritt  in  ungebeugter
  Kraft  der  kaiserliche  Oberfeldherr  —  ein  unvergeßlich-erhebendes
  Bild  für  jeden,  der  es  gesehen  hat  —  neben  ihm,  doch  etwas  zurück,
den  Feldmarschallsstab  in  der  Rechten,  die  beiden  prinzlichen  Beerführer,
den  Fürsten  voran  in  einer  Reihe  Moltke,  Bismarck  und  Roon:  Kaiser
Wilhelms  Haladine,  mit  geschwungenem  Schwerte  Frankreichs  Frevelmut
  zu  brechen,  mit  kräftigem  Kammerschlag  Deutschlands  Einheit  zu
schmieden.

Die  Königgrätzer  Straße  entlang,  die  Linden  hinauf  ging  der  stolze
Siegeseinzug.  Er  endete  im  Lustgarten.  Denn  hier  sollte  die  feierliche
Enthüllung  des  Denkmals  König  Friedrich  Wilhelms  III.  den  Abschluß
bilden.  So  hatte  es  Kaiser  Wilhelms  pietätvolle  Dankbarkeit  bestimmt:
als  gelte  dem  königlichen  Vater  das  herrliche  Siegesfest.  „Was  wir  im
tiefsten  Frieden  ersonnen  und  vollendet“,  sprach  er  mit  bewegter  Stimme,
als  die  ZKülle  von  dem  Standbilde  gefallen,  zu  den  Deputationen  am
Denkmal,  „was  wir  hofften,  im  tiefsten  Frieden  enthüllen  zu  können,  dieses
Standbild,  ist  nun  auch  zum  Denkmal  des  Schlusses  eines  der  glorreichsten,
wonn  auch  blutigsten  Kriege  der  Teuzeit  geworden.  Wenn  der  König