Kaiser  und  Reich.  521

uns  sehen  könnte,  so  würde  er  mit  seinem  Volke  und  seinem  Heere  zu—
frieden  sein.  Möge  der  Friede,  den  wir  mit  so  vielen  Opfern  erfochten,
auch  ein  dauernder  werden!  An  uns  allen  ist  es,  die  Hand  anzulegen,
daß  es  also  geschehe.  Das  walte  Gott!“

Diesen  Frieden  zu  befestigen  und  zu  sichern,  ließ  nun  Kaiser  Wilhelm
vor  allem  seine  Sorge  sein.  Er  machte  dem  Kaiser  Franz  Joseph  am
11.  und  12.  August  in  Ischl  einen  Besuch,  den  dieser  bald  darauf  in
Gastein  erwiderte.  Der  herzliche  Verkehr  der  beiden  Herrscher  blieb  denn
auch  nicht  ohne  Einfluß  darauf,  daß  im  Wovember  Graf  Andrass  als
Reichskanzler  an  die  Stelle  des  preußenfeindlichen  Grafen  Beust  trat.
In  der  Freundschaft  mit  Rußland  aber  hatte  Kaiser  Wilbelm  von  jeher

Medaille  auf  den  Feldzug  von  1870—1871.
(Königl.  Münzkabinett  in  Berlin.)

das  Fundament  seiner  äußeren  Holitik  gesehen.  Und  es  that  ihm  wohl,
daß  diese  Empfindung  auf  das  herzlichste  von  Kaiser  Alexander  gewürdigt
und  geteilt  wurde.  Rei  dem  Feste  der  Georgsritter  am  8.  Dezember
brachte  dieser  auf  Kaiser  Wilhelm  einen  Trinkspruch  aus,  in  der  Foffnung,
  daß  die  innige  Freundschaft,  welche  die  Herrscher  verbinde,  auch
bei  der  künftigen  Generation  fortdauern  werde;  denn  das  sei  die  beste
Bürgschaft  für  Aufrechterhaltung  des  Friedens  in  Europa.

So  waren  denn  auch,  als  Kaiser  Wilhelm  am  Schlusse  dieses  großen
Jahres  in  der  Stille  der  Meujahrsnacht  Rückschau  hielt  und  was  sein
Herz  bewegte  niederschrieb,  seine  Empfindungen  wie  voll  demütigen  Dankes,
so  voll  Sehnsucht  nach  Frieden:  welch  sprechendes  Denkmal  für  ihn!  Hier
ist,  was  er  schrieb.