Der  Ausbau  des  Reiches.  525

Auch  1874  verlangte  die  Regierung  die  Beibehaltung  dieser  Präsenz—
ziffer  bis  zum  Erlasse  einer  anderweitigen  gesetzlichen  Bestimmung.  Damit
  stieß  sie  aber  auf  den  heftigen  Widerspruch  der  Reichstags-Cinken,  die
für  den  Reichstag  das  Recht  in  Anspruch  nahm,  alljährlich  die  Kosten
und  damit  auch  die  Präsenzstärke  der  Armee  zu  bewilligen.  Da  erhob
sich  aber  gegen  den  Reichstag  im  Volke  selbst  eine  lebhafte  Bewegung;

Neichskanzler  Fürst  Bismarck.
Nach  einer  Photographie  aus  dem  Jahre  1880.

die  öffentliche  Meinung  verlangte,  daß  die  deutsche  Wehrkraft  ungeschwächt
  erhalten  bliebe,  daß  das  deutsche  Heer  eine  dauernde,  gesetzlich
gesicherte  Institution  des  Reiches  sei.  Weite  Kreise  des  Volkes  sprachen
sich  in  Wählerversammlungen  und  Adressen  so  einmütig  und  entschieden
gegen  den  Reichstag  aus,  daß  die  große  Mehrzahl  auch  der  Linken  die
Notwendigkeit  einzulenken  schnell  einsah.

Es  war  der  Abgeordnete  von  Bennigsen,  der  einen  gangbaren
Mittelweg  fand,  indem  er  vorschlug,  die  bisherige  Präsenzstärke  auf
sieben  Jahre,  nicht  auf  unbestimmte  Seit,  zu  bewilligen.  Am  Kranken-