Sehn  Friedensjahre.  549

barn  im  Osten  und  Westen  auch  eine  Erhöhung  der  Kriegsstärke  des
deutschen  HBeeres  notwendig.  Dies  neue  Gesetz  stellte  ein  zweites  Aufgebot
  der  Landwehr  her,  dienstpflichtig  bis  zum  30.  Cebensjahre,  und
rückte  für  den  Landsturm  die  Altersgrenze  vom  42.  bis  zum  45.  Cebensjahre
  hinaus.  Damit  wurden  zu  der  bisberigen  Kriegsstärke  noch  weitere
700  000  Mann  gefügt.  Einstimmig  nahm  der  Reichstag  das  Gesetz,  das
Kürst  Bismarck  mit  hinreißender  Beredsamkeit  vertreten  hatte,  am
6.  Februar  1888  an;  und  in  freudiger  Bewegung  unterzeichnete  Kaiser
Wilhelm  es  am  11.  Februar:  es  krönte  sein  nimmer  rastendes  Bemühen,

Palais  Kaiser  Wilhelmo  in  Perlin.

es  vollendete  die  Wehrverfassung  des  Deutschen  Reiches.  ZSugleich  bewilligte
  der  Reichstag  eine  Anleihe  von  278  Millonen,  um  das  Kriegsmaterial
  für  die  ungeheure  Armee  zu  beschaffen.

Die  rasche  Entschiedenheit  und  einmütige  GOpferwilligkeit  des  Reichstages
  machte  den  größten  Eindruck  auf  alle  fremden  Mächte.  Gesteigert
aber  wurde  dieser  noch  dadurch,  daß  gerade  in  diesen  Tagen  der  Deutsche
Reichsanzeiger  den  deutsch.österreichischen  Bündnisvertrag  veröffentlichte.

Die  Grundlage  der  äußeren  Holitik  Kaiser  Wilhelms  war  bis  zum
Berliner  Kongreß  die  schon  von  den  Dätern  ererbte  Freundschaft  mit
Rußland  gewesen.  Bier  aber  zog  der  Schiedsspruch  Suropas  im  Interesse
des  Friedens  den  Ansprüchen  Rußlands  engere  Grenzen,  als  die  besiegte
Türkei  sie  in  dem  Dertrage  von  San  Stefano  hatte  zugestehen  müssen.