Cetztes  Kapitel.
Der  Tag  hat  sich  geneiget.

Feste  sind  die  Marksteine  eines  glücklichen  Lebens.  Und  die  innige
Anteilnahme  des  ganzen  treuen  Preußenvolkes  machte  Kaiser  Wilhelm
die  Familiengedenktage  zu  wahrhaften  Nationalfesten,  als  er  am
1I.  Juni  1879  seine  goldene  Hochzeit  feierte,  als  ihm  am  6.  Mai  1882
der  erste  Urenkel  geboren  wurde,  als  am  25.  Januar  1885  der  Kronprinz
  seine  silberne  Hochzeitsfeier  beging,  und  vollends  als  Kaiser  Wilhelm
selbst  am  2.  Jzanuar  1886  sein  fünfundzwanzigstes  Regierungsjubiläum
feierte.  Für  Alldeutschland  aber  war  es  ein  Fest  für  Fürst  und  Volk,
als  Kaiser  Wilhelm,  umgeben  von  den  Hrinzen  des  Königlichen  Rauses
und  zahlreichen  deutschen  Fürsten  und  Staatsmännern  am  28.  September
1885  in  Gegenwart  von  Tausenden  begeisterter  Männer  und  Frauen
das  Miederwald-Denkmal  enthüllen  ließ.  Der  vollendeten  Wiederherstellung
des  Deutschen  Reiches,  nicht  den  ruhmvollen  Waffenthaten  zum  Gedächtnis
war  es  errichtet;  die  tiefe  Befriedigung  des  deutschen  Dolkes  über  die
Wiederaufrichtung  des  Kaisertums,  über  die  in  Einheit  errungene  Wacht
und  Herrlichkeit  sprach  sich  in  ihm  aus.  Und  dem,  der  diese  nationale
Befriedigung  ihm  gegeben,  jauchzte  dankbar  das  deutsche  Dolk  zu  und
pries  des  Kimmels  Gnade,  die  über  das  Maß  eines  MWenschenlebens
hinaus  sein  heilsames  Wirken  ihm  gewährte.  So  gewann  auch  die  Feier
des  achtzigjährigen  Dienstjubiläums  Kaiser  Wilhelms  am  1.  Januar
1887  die  warme  Färbung  eines  nationalen  Festtages  und  vollends  des
Kaisers  neunzigster  Geburtstag.  Den  seltenen  Festtag  dem  kaiserlichen
Hatriarchen  besonders  festlich  zu  gestalten,  versammelten  sich  um  ihn,
innige  Wünsche,  pietätsvolle  Geschenke  darbringend,  die  Mitglieder  des
Königlichen  Hauses,  die  deutschen  Fürsten,  die  Genossen  seines  Ruhmes.
Es  war  eine  Dersammlung  so  glänzend,  wie  sie  Berlin  noch  nicht  gesehen.
An  die  hundert  Fürsten  und  Hrinzen  waren  zu  dem  schönen  Zwecke  zusammengekommen,
  und  unter  ihnen  fast  vollzählig  die,  welche  einst  vor