— 21 — hinweisen. Sollte Graf Burian nicht bestimmte Jusicherung geben, derartiges Vor- gehen in Zukunft nicht zu wiederholen, soll Graf Wedel als persönliche Ansicht aus- sprechen, daß er sich befriedigende Ergebnisse von einem Besuch Reichskanzlers und Staatssekretärs in Wien nicht versprechen könne. Ferner erhielt Graf Wedel Argu- mente an die Hand, um auf Graf Burian zugunsten der von uns geplanten neutralen Vermittlungsaktion einzuwirken. Diesbezüglich nehmen wir an, daß neutraler Vermittler vor Ubernahme der Mission verlangen würde, vonunsüber Grundlagen unterrichtet zuwerden, auf denen wir zum Friedensschluß bereit sein würden. Diesem Ver- langen würden wir unter Voraussetzung entsprechen können, daß auch seitens unserer Gegner eine Mitteilung ibrer Kriegsziele in großen Linien an den Vermittler er- folgt. Auf diese Weise Anbahnung gegenseitigen Mei- nungsaustausches ohne den Nachteil, daß wir als die Bit— tenden erscheinen. 30. August. Talaat, der auf Reise nach Berlin in Wien Aufenthalt mimmt, wird gebveten, in Wien für unseren Standpunkt einzutreten Prinz Hohenlohe bei Staatssekretär, liest Telegramm Burians vor: Friedensschritt dringlich, unverschiebbar. Burian werde, wenn wir nicht mitmachen, ihn von sich aus unternehmen. Auf neutrale Intervention sei nicht zu rechnen. Siaatssekretär entgegnet in dringlicher Form: Befremdet über Aktion mit Bulgarien und Türkei hinter unserm Rücken, ferner zugunsten neutraler Vermittlung und späterem Jeitpunkt. Graf Wedel erhält diesbezügliche dringliche Weisung: Ernst der Lage zu berücksichtigen, der für Österreich-Ungarn aus Sondervorgehen entstehen könnte. 1. September. Graf Wedel meldet: Kaiser Karl sei treibende Kraft. Auf Grund gestriger Vorstellungen (Weisung vom 30. September) habe Graf Burian bei Kaiser Karl gerade noch kurzen Aufschub erreicht. 3. bis 5. September. Nachdem auch am 2. September eine geeignete Grundlage für eine Verständigung mit Graf Burian in der Friedensfrage nicht erzielt worden war, ist Staatssekretär mit Unterstaatssekretär von Stumm persönlich in Wien anwesend (Reichskanzler ist trotz österreich-ungarischer Aufforderung nicht gereist). Auch die eingehenden mündlichen Verhandlungen mit Graf Burian, ferner ein persön- licher Vortrag des Herrn Staatssekretärs vor Seiner Majestät dem Kaiser Karl führten zu keiner Verständigung. Staatssekretär vertrat erneut die deutsche Absicht, die Friedensaktion durch neutrale Ver- mittlung und zu einem etwas späteren günstigern ZJeit- runkte erfolgen zu lassen (etwa 2 Wochen bis zur Beendi- aung der Rückbewegung des deutschen Heeres.) Demgegenüber Graf Burian: Sofort und direkt. Trotz scheinbaren gelegentlichen Ent- gegenkommens des Grafen Burian und Justimmung von Wekerle und Arz hält am Schluß der dreitätigen Besprechungen Graf Burian an ursprünglichem Standpunkt fest. 7. September. Durch Eingreifen des Generals Cramon im Verein mit Generaloberst von Arz willigt Kaiser Karl in Aufschub der österreich-ungarischen Note und ersucht Generalfeldmarschall von Hindenburg um Beantwortung folgender Fragen: 1. Wo bezw. in welcher Linie beabsichtigt O. H. L. endgültig Widerstand zu leisten?