Vorwort  zur  ersten  Auflage.

Der  leitende  Gedanke  dieser  zwölf  Vorträge  ist  gewesen:  zu  zeigen,
  wie  sich  in  den  letzten  vierhundert  Jahren  der  Gang  der  deutschen
  Geschichte  gestaltet  hat,  und  warum  endlich  ein  mächtiges  deutsches
  Reich  unter  preußischer  Führung  entstanden  ist,  nachdem  doch
Ssterreich  durch  die  längste  Zeit  die  Hauptmacht  in  Deutschland  gewesen
  war.  Um  diesen  Werdegang  übersichtlicher  zu  gestalten  und
dem  menschlichen  Interesse  näher  zu  bringen,  wurde  der  Ausweg
gewählt,  ihn  an  die  persönlichen  Schicksale  und  Leistungen  von  zwölf
Männern  zu  knüpfen,  die  durch  ihren  Lebenslauf  oder  durch  ihre
Stellung  von  Bedeutung  für  die  deutschen  Geschehnisse  geworden
sind.  Je  drei  fallen  mit  ihrer  hauptsächlichsten  Wirksamkeit  in  ein
Jahrhundert.  Daneben  wurde  bei  der  Auswahl  darauf  Rücksicht
genommen,  an  einzelnen  gewisse  Sondererscheinungen  des  Lebens,
wie  Geldwirtschaft,  Hofzustände,  zu  schildern;  diesem  Umstande  verdanken
  Männer,  wie  die  Fugger  und  August  der  Starke,  ihre  Aufnahme
  in  diese  Reihe.

Der  Verfasser  hat  überall  mit  seinen  persönlichen  Urteilen  nicht
hinter  dem  Berge  gehalten,  sich  dabei  aber  ernste  Mühe  gegeben,
den  konfessionellen  und  politischen  Meinungen  der  verschiedensten
Art  Rechnung  zu  tragen;  möchte  seiner  redlichen  Absicht  manches
Mißlungene  da  verziehen  werden!

Die  Vorträge  wurden  zuerst  im  Sommer  1904  im  deutschen  Nordböhmen,
  in  Rumburg,  gehalten.  Sie  sind  naturgemäß  bei  der  Aufzeichnung
  in  mancher  Beziehung  erweitert  worden:  was  der  Darsteller
  in  raschem  Redeflusse  übergehen  darf,  wird  von  dem  aufmerksam
  kontrollierenden  Leser  als  notwendig  empfunden  und  gefordert.
  Auch  die  stetig  anschwellende  Literatur  nötigte  zur  Nachprüfung
  und  Ergänzung;  als  Beispiel  dafür  seien  die  „Erzieher
des  preußischen  Heeres“  genannt.

Mögen  die  zwei  kleinen  Bände,  die  aus  dem  Böhmerwalde  in  die
deutsche  Geisteswelt  hinausgehen,  das  Bewußtsein  der  Zusammengehörigkeit
  des  Deutschtums  über  politische  Grenzen  und  Parteibver-