20  Martin  Luther

ein  Lehrgebäude  fertiggestellt,  die  Augsburger  Konfession:  ihre
Lehre  wird  verdammt.  Karl  V.  hat  aber  nicht  die  Macht,  den  Siegeszug
  derselben  aufzuhalten,  er  hat  große  Schwierigkeiten  mit  den
Ständen  Spaniens,  ungerne  muß  er  seine  Pläne  auf  Burgund  zurückstellen;
  die  der  neuen  Lehre  anhängenden  Fürsten  und  Städte
haben  sich  zu  einem  Bunde,  dem  Schmalkaldischen,  vereint,  überdies
  werden  die  habsburgischen  Länder  von  einer  furchtbaren  Türkengefahr
  bedroht,  es  erscheint  als  zweckmäßig,  durch  Ferdinand,
1532  zu  Nürnberg,  einen  vorläufigen  Frieden  schließen  zu  lassen,
der  den  Protestanten  für  kurze  Zeit  Duldung  zusicherte  und  zugleich
eine  Forderung  derselben  annahm,  die  der  römischen  Kurie  äußerst
unwillkommen  war:  die  Berufung  eines  freien  deutschen  Konzils
zur  Schlichtung  des  Streites.  Es  ist  zu  beachten,  daß  nicht  mehr
ein  allgemeines  Konzil,  sondern  ein  deutsches  über  diese  deutsche
Frage  entscheiden  sollte  —  eine  Forderung,  die  der  universellen
Stellung  Roms  (katholisch  soviel  wie  allgemein)  grundsätzlich  widersprach.
  Dazu  kommt  es  nicht,  es  bleibt  bei  der  stillschweigenden  Duldung,
  die  im  Frankfurter  Anstand  von  1544  wiederholt  wird.  Jetzt
hat  aber  Karl  V.  endgültig  zu  Crépy  Frieden  mit  Frankreich  gemacht,
  die  Türkengefahr  ist  geschwunden,  unter  die  deutschen  Protestanten
  ist  Zwietracht  und  Gegensatz  gekommen,  einen  der  bedeutendsten
  ihrer  Führer  hat  Karl  für  sich  gewonnen,  den  ehrgeizigen
Moritz  von  Sachsen.  So  meint  nun  der  Kaiser  die  Parteiung  in
Deutschland,  die  seinen  unumschränkten  Herrscherwünschen  Schranken
  auferlegt,  niederwerfen  zu  können,  zugleich  damit  seine  Pflicht
als  Katholik  zu  tun,  auch  eine  Sühne  zu  leisten  für  sein  Vorgehen
gegen  Rom  —  man  denke  an  die  Erstürmung  und  Plünderung  der
cwigen  Stadt  durch  ein  kaiserliches  Heer  1527.  Bevor  aber  noch
der  Kaiser  losschlug  und  den  Kampf  eröffnete,  der  ihm  zunächst  den
Sieg,  endlich  aber  im  Augsburger  Religionsfrieden  eine  Niederlage
gebracht  hat,  ist  Luther  gestorben.  Man  wird  aus  diesem  kurzen
üÜberblick  ersehen  haben,  wie  fruchtlos  jedes  Bemühen  blieb,  den
entfachten  Brand  zu  löschen,  und  wie  die  Anhänger  der  neuen  Lehre
von  Duldung  zur  Anerkennung  schritten;  man  wird  auch  erkennen,
wie  Karl  V.  diese  Frage  oft  vom  politischen  Standpunkte  betrachtet
hat  und  betrachten  mußte.  Dazu  hat  ihn  die  ungeschickte  Politik
des  Papstes  Clemens  VII.  und  die  Haltung  der  deutschen  Fürsten
gedrängt.  Ersterer,  anstatt  in  so  gefährdetem  Augenblicke  mit  der
kaiserlichen  Macht  sich  zu  verbinden,  trieb  französische  Politik;  die
anderen  haben  nicht  eingesehen,  daß  die  Abwehr  der  Türken  nicht