28  Martin  Luther

Drange  der  Zeit  ihre  Entstehung  verdankte.  Zu  Lebzeiten  Luthers
unterliegt  sie  noch  sieter  Veränderung,  an  der  besonders  sein  jüngerer
  Genosse  Melanchthon  starken  Anteil  genommen  hat.  In  den
Jahren  1527—152)9  wird  die  neue  Kirchenordnung  in  Sachsen  durchgeführt,
  1529  der  Katechismus  veröffentlicht,  1539  ein  Konsistorium
  eingerichtet.  Luther  bleibt  der  Mittelpunkt  des  Kampfes,  von
Wittenberg  aus  rät  und  hilft,  predigt  und  schreibt  er  unermüdlich.
Er  streitet  mit  Rom,  mit  den  katholischen  Ständen  Deutschlands,
mit  den  Schweizern,  mit  seinen  eigenen  Anhängern.

An  der  Südostecke  der  Stadt  Wittenberg,  auf  den  grünen  Elbanger
hinausblickend,  stand  das  „schwarze  Kloster“,  in  dem  Luther  mit
seiner  Käthe  haushielt.  Sie  war  eine  tüchtige  Hausfrau,  die  den  großen
  Haushalt  trefflich  führte.  Denn  nicht  nur  zahlreiche  Kinder  galt
es  zu  besorgen,  eine  stattliche  Anzahl  von  Schülern,  Freunden,
Bedürftigen  mußte  stets  beherbergt  und  gespeist  werden.  Luthers
Einkünfte  waren  nicht  gering;  sein  damals  schon  als  hoch  angesehener
  Professorengehalt  von  100  Gulden  wurde  von  seinem  gnädigen
Landesherrn  verdreifacht,  andere  Einnahmen  kamen  hinzu,  er  wurde
aus  deutschen  Landen  in  freigebigster  Weise  beschenkt;  man  kann  sich
schwer  vorstellen,  was  für  eine  bedeutsame  Stellung  Luther  eingenommen
  hat:  von  seinen  Gegnern  bitter  gehaßt,  von  seinen  Anhängern  leidenschaftlich
  geliebt.  In  dem  häuslichen  Kreise  hat  er  seine  „Tisch--reden“
  gehalten,  die  gesammelt  und  nicht  lange  nach  seinem  Tode
herausgegeben  worden  sind.  Aber  nicht  eingesponnen  in  häusliches
Glück  und  Verkehr  mit  gleichgesinnten  Freunden  hat  Luther  seinen
Lebensabend  verbracht;  er  war  ein  Mann  des  Kampfes,  der  sich
den  Lasten,  die  sein  Auftreten  ihm  gebracht,  keineswegs  entzog.
Daß  er  in  Schrift,  Lied,  Predigt,  Gespräch  immer  wieder  mit  dem
deutschen  Volke  in  Verkehr  trat,  hat  nicht  zu  mindest  dazu  beigetragen,
  seine  Lehre  zu  festigen.  Diesen  großen  Anforderungen  ist
schließlich  selbst  sein  eisenharter  Körper  nicht  gewachsen  geblieben.
Seit  1527  ist  Luther  leidend;  immer  mehr  häufen  sich  seine  Beschwerden,
  die  ihm  die  zunehmende  Korpulenz,  endlich  ein  überaus
schmerzhaftes  Steinleiden  zufügen.  Er  wird  immer  gereizter,  heftiger,
  galliger.  Der  ganze  Hang  der  Zeit  geht  zum  Groben,  Unflätigen,
  Gewalttätigen,  es  sind  damals  lauter  grobe  Klötze  und  grobe
Keile,  die  aufeinander  passen;  immer  schärfer,  ja  obszöner  wird
Luther  in  seiner  Ausdrucksweise  in  den  späteren  Streitschriften:
„Von  den  Conciliis  und  Kirchen“,  „Wider  Hausworst“  (Herzog
Heinrich  zu  Braunschweig),  „Wider  das  Papsttum  zu  Rom  vom