——  Luthers  Leben  und  Ende  29

Teufel  gestift“".  Es  war  ein  großes  Werk,  das  er  aus  unscheinbaren
Anfängen  vollbracht  hatte,  aber  er  sah  es  angegriffen,  zerrissen,  uneins,
  und  was  er  einst  gewünscht,  veredelnd,  reformierend  auf  das
ganze  Menschentum  einwirken  zu  können,  das  war  ihm  nicht  gelungen;
  er  selbst  muß  in  seinem  Alter  über  den  Mangel  an  sittlicher
Zucht,  über  die  Zunahme  der  Verrohung  klagen;  statt  seinen  Mitlebenden
  den  Frieden  zu  bringen,  hatte  er  die  Ursachen  der  Zwietracht,
  der  Unzufriedenheit  vermehrt,  denn  alles  war  im  Werden,
im  Gären,  als  er  starb.  Ein  Streit,  den  er  schlichten  wollte,  hatte
ihn  im  Winter  1545  nach  Eisleben  geführt  und  hier,  wo  er  geboren
worden  war,  schied  er  am  18.  Februar  1546  aus  dem  Leben.  Nicht
freiwillig,  wie  es  böswillige,  auch  von  katholischer  Seite  längst  widerlegte
  Gerüchte  haben  wollten,  sondern  bezwungen  von  seiner  Krankheit,
  aufgerieben  durch  ein  hartes  Leben  voll  Kampf  und  Mühen.

In  der  Protestationskirche  in  Speyer  ist  ihm  neuerlich  ein  Standbild
  aufgerichtet  worden;  im  Arm  die  Bibel,  die  andere  Hand  zur
Faust  geballt,  das  Auge  himmelwärts  gerichtet,  jeder  Zoll  ein  Streiter,
  steht  der  Mann  da,  den  die  Zeit  sich  geschaffen,  um  anzubahnen,
was  sie  gebraucht.

II.
Die  IJuggrr.

Die  Zeit  des  beginnenden  16.  Jahrhunderts,  in  die  man  aus  gewichtigen
  Gründen  den  Anfang  der  Neuzeit  in  der  Geschichte  verlegt,
hat  auch  in  den  Geldverhältnissen  einen  starken  Umschwung  herbeigeführt,
  zum  ersten  Male  sind  in  einzelnen  Familien  große  Vermögen
  angehäuft  worden,  die  eine  ganz  andere  Verwertung  des  Geldes
ermöglichten;  diese  für  die  Entwickelung  der  Zeit  wichtigen  Veränderungen
  sollen  an  der  Hand  der  Geschichte  einer  dieser  Familien  hier
verfolgt  werden.

Es  ist  wohlbekannt,  daß  ursprünglich  der  ganze  Warenverkehr
der  Menschheit  auf  dem  Tausche  beruhte;  jeder  gab,  was  er  hatte,
dem  Nachbar  und  nahm  von  ihm,  was  dieser  geben  konnte:  Korn
wurde  gegen  Gespinst  umgetauscht,  Wein  gegen  Vieh.  Bald  aber
empfand  man  die  Notwendigkeit,  einen  bestimmten  Maßstab  zu  haben,
  an  dem  man  messen  konnte,  wie  sich  das  Korn  zur  Leinwand
verhielt,  wie  viele  Fuder  Wein  man  für  ein  Rind  bekommen  konnte,
und  als  solchen  Maßstab  verwendete  man  die  verschiedensten  Ma-