30  Die  Fugger

terialien  (Zeuggeld),  wie  Leinwand,  Tierhäute,  Marderschnauzen,
Lederstücke,  endlich  die  Edelmetalle  Gold,  Silber,  zuweilen  auch  andere
  Metalle,  wie  Kupfer,  Eisen.  Es  dauerte  nur  ein  paar  Jahrhunderte,
  bis  man  dahinter  kam,  daß  diese  Metalle  viel  besser  als  Zahlmittel
  sich  eigneten  als  die  schwerfälligen  Waren,  man  ging  über
von  der  Naturalwirtschaft  zur  Geldwirtschaft.  Bestimmenden  Anlaß
gab  dazu  die  Anhäufung  von  Menschen  in  den  Städten,  vor  allem
an  den  fest  werdenden  Residenzen  der  Fürsten.  Das  Umherziehen
derselben  hatte  sich  mit  der  Naturalwirtschaft  vertragen;  als  sie  dauernde
  und  bestimmte  Sitze  sich  schufen  und  den  ganzen  Kreis  der
Hosschranzen  und  Beamten  mit  sich  brachten,  mußte  für  die  Verpflegung
  und  den  Unterhalt  derselben  anders  gesorgt  werden.  Vorbildlich
  dafür  ist  der  päpstliche  Hof  geworden  mit  seinem  besonders
umfangreichen  Beamten=  und  Hofapparate.  Der  Übergang  erfolgte
ganz  allmählich;  niemals  kann  man  für  ähnliche  soziale  Umwälzungen
  ein  bestimmtes  Jahr  angeben:  aus  Bequemlichkeitsgründen
  tut  man  es  doch  und  nimmt  für  diesen  wichtigen  Moment  das
Jahr  1300  an;  damals  wurden  als  erste  Silbermünzen  die  „Groschen“
  geprägt;  ebenso  kann  für  den  nächsten  wichtigen  Fortschritt
in  der  Volkswirtschaft  das  Jahr  1500  als  Grenze  angesetzt  werden.
Um  diese  Zeit  ist  unsere  heutige  Geldwirtschaft  geboren  worden  mit
ihren  mannigfachen  Erscheinungen  und  Ausdrücken;  das  Geld  ist
nicht  mehr  nur  Mittel,  es  ist  Selbstzweck  geworden,  und  der  wichtigste
  Faktor  dieser  neuen  Wirtschaft  ist  entstanden:  der  Kredit.
Unendlich  mannigfach  sind  um  diese  Zeit  die  Geldarten.  Anfangs
gab  es  nur  Privatgeld,  von  Einzelpersonen  ausgegeben,  von  anderen
  auf  Treu  und  Glauben  nach  Belieben  genommen.  Daß  ursprünglich
  der  Wert  des  Geldes  nur  nach  dem  Gewicht  bemessen  war,
dafür  sprechen  die  Geldbenennungen  Mark,  Pfund,  Livre;  noch  lange
später  werden  besonders  kleine  Teilmünzen  gewogen,  so  z.  B.  das
Schock  meißnischer  Groschen,  Über  den  Ursprung  des  Wortes  Taler
wird  behauptet,  daß  er  von  der  ersten  Münzstätte  desselben,  vom
böhmischen  Joachims,,  thal“,  herrühre.  Gulden  kommt  klärlich  von
Gold,  aus  dem  sie  zuerst  allein  geprägt  worden  sind.  An  Stelle  dieses
Privatgeldes  trat  das  von  der  Staatsgewalt  ausgegebene  Geld,  das
dann  einen  bestimmten  aufgeprägten  Wert  besaß  und  als  Zahlungsmittel
  genommen  werden  mußte.  Nun  hatte  jeder  selbständige
Teil  des  großen  deutschen  Reiches  das  Recht,  Münzen  zu  prägen
und  auszugeben,  jeder  Kurfürst,  Herzog,  Graf,  Bischof,  Abt,  jede
Reichsstadt.  Erwägt  man,  daß  der  damalige  Reichstag,  die  in  ver-