Das  deutsche  Geldwesen  31

schiedenen  Städten  des  Reiches  nach  willkürlicher  Berufung  des
Kaisers  tagende  Versammlung  der  deutschen  Stände,  etwa  um  die
Mitte  des  sechzehnten  Jahrhunderts  an  200  Mitglieder  zählte,  nebst
ihnen  es  aber  noch  eine  ganze  Reihe  von  münzberechtigten  Herren
gab,  so  ist  leicht  zu  ersehen,  welche  Unmenge  von  Geldarten  das
Deutsche  Reich  überschwemmen  mußte.  Verschieden  gewichtet  und
verschieden  legiert  waren  die  Münzen;  eine  sehr  beliebte  Maßregel
war,  altes  Geld  einzuziehen  und  neues  leichteres,  weniger  feinhaltiges
  dafür  auszugeben,  den  Unterschied  als  Münzgewinn  einzustecken.
  Manchmal  drängte  der  Mangel  an  Edelmetallen  geradezu
zur  Verschlechterung  der  Münze.  Eine  besonders  schlechte  Geldsorte
des  siebzehnten  Jahrhunderts  erhielt  den  bedeutungsvollen  Beinamen:
  Schinderlinge.  Auch  die  Untertanen  arbeiteten  an  der  Entwertung
  des  Geldes,  indem  sie  an  den  Münzen  den  Rand  beschnitten
(Kipper)  oder  von  der  Oberfläche  Edelmetall  abfeilten  (Wipper).
Die  weniger  genau  ausgeführte  Prägung,  die  ungleiche  Gestalt  —  es
gab  auch  viereckige  Münzen  —  machte  derlei  Manipulationen  möglich.
  Man  wird  leicht  einsehen  können,  zu  was  für  Mißbräuchen
und  Betrügereien  da  Gelegenheit  geboten  war  und  wird  es  begreiflich
  finden,  daß  manche  Fürsten  und  Städte  sich  gegen  solch  schlechtes,
  geringes,  „verrufenes“  Geld  mit  allen  möglichen  Mitteln  schützten.
  Besserung  auf  diesem  Gebiete  trat  erst  einigermaßen  ein,  als
durch  den  Reichsabschied  von  1551  den  Reichskreisen  die  Münzpolizei,
  damit  ein  gewisses  Aufsichtsrecht  über  die  Münzgebarung
der  Kreismitglieder  eingeräumt  wurde.  1566  wurde  dann  auf  dem
Augsburger  Reichstage  als  gesetzlicher  Münzfuß  der  Neun-Reichstalerfuß
  festgesetzt,  d.  h.  aus  einer  Kölnischen  Mark  fein  Silber  sollten
  neun  Taler  ausgemünzt  werden.  Von  den  alten  Groschen  gingen
24  bis  30  auf  einen  Taler,  seit  dem  Dreißigjährigen  Kriege  nur
mehr  24,  sie  waren  gleich  90  Kreuzern.  Die  Kölnische  Mark  war
genau  ein  halbes  böhmisches  Pfund,  hatte  daher  16  Lot  und  wog
nach  heutigem  Gewichte  etwas  über  233  Gramm.  Sie  wurde  für
ganz  Deutschland  die  Gewichtseinheit  sowohl  für  Gold  wie  für  Silber.
  Dazumal  war  letzteres  der  Wertmesser,  auch  die  Goldmünzen
waren  nach  dem  Verhältnis  des  Goldes  zum  Silber  —  in  der
Regel  1:16  —  bemessen.  Neben  den  Silbertalern  gab  es  Goldgulden
  mit  sehr  starkem  Silberbeisatz,  in  Stücken  zu  4,  2,  1.,  ½  und
¼  Gulden  geprägt.  Ursprünglich  wurden  aus  der  Kölnischen  Mark
64  Goldgulden,  später  72,  geprägt.  Nach  und  nach  verschwanden  die
Goldgulden,  an  ihre  Stelle  traten  die  Dukaten;  und  als  neue  Sil-