32  Die  Fugger

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bermünze  erschien  seit  der  Mitte  des  siebzehnten  Jahrhunderts  der
Silbergulden,  eingeteilt  in  60  Kreuzer  zu  4  Pfennigen.  Ein  Gulden
war  gewöhnlich  gleich  ½8  Taler,  oder  2  Taler  gleich  3  Gulden.  Es
ist  vielfach  behauptet  worden,  daß  die  Kaufkraft  des  Geldes  in  den
Jahrhunderten  seit  1500  gewaltig  gesunken  sei  und  damalige  Ziffern,
um  mit  den  heutigen  verglichen  zu  werden,  mit  etwa  10  multipliziert
  werden  müßten;  demgegenüber  ist  aber  erwidert  worden,  daß
auch  die  Preise  sich  gewaltig  verändert  hätten  und  unsere  heutigen
Kenntnisse  noch  nicht  zu  einem  so  entschiedenen  Urteile  berechtigten:
diese  Frage  nach  dem  Verhältnis  des  damaligen  Geldes  zum  heutigen
muß  daher  vorläufig  offen  gelassen  werden.

Es  war  ein  Grundsatz  der  römischen  Kirche  gewesen,  die  ja  bis
zu  Luthers  Auftreten  tonangebend  in  der  menschlichen  Gesellschaft
blieb,  daß  Handel  mit  Geld,  Ausleihen  gegen  Prozente,  etwas  durchaus
  Unmoralisches  sei:  „pecunia  pecuniam  parere  non  potest“:
Geld  kann  nicht  Geld  erzeugen;  nur  Leibrenten  wurden  gestattet,
weil  damit  das  Kapital  aufgezehrt  wurde.  Bis  in  die  Mitte  des  fünfzehnten
  Jahrhunderts  und  noch  weiter  hat  die  Kirche  an  diesem
Grundsatze  festgehalten;  selbst  als  die  Fugger  schon  große  Geldgeschäfte
  machten,  mußten  sie  gegen  dieses  Vorurteil  ankämpfen;  sie
haben  sich  eigene  Theologen  bestellt,  die  in  öffentlichen  Disputationen
  dagegen  Verwahrung  einzulegen  hatten  und  die  dafür  eintreten
  mußten,  daß  ein  mäßiger  Zins,  etwa  fünf  vom  Hundert,  erlaubt
  sei.  Aber  erst  als  die  Kirche  selbst  Geld  brauchte  für  ihre  geistlichen
  und  weltlichen  Zwecke,  für  Kriege,  Bauten,  verschwenderisches
Leben,  da  drückte  sie  ein  Auge,  bald  alle  zwei  zu.  Ihre  Erbschaft  traten
  die  Anhänger  Luthers  an,  die  das  alte  Vorurteil  weiter  verteidigten;
  Luther  selbst  sagt  in  seiner  Schrift  von  des  christlichen  Standes
  Besserung:  „das  größte  Unglück  deutscher  Nation  ist  gewißlich
der  Zinskauf  sollte  er  noch  hundert  Jahre  bestehen,  so  wäre
es  nicht  möglich,  daß  Deutschland  einen  Pfennig  behielte.  Ich
weiß  die  Rechnung  (ich  verstehe  das  Kaufmannsgewerbe)  nicht,  aber
das  verstehe  ich  nicht,  wie  man  mit  hundert  Gulden  mag  des  Jahres
  erwerben  zwanzig.“  Doch  das  hat  jetzt  nichts  mehr  genützt,  es
war  notwendig  geworden,  mit  Geld  zu  handeln  und  zu  wirtschaften.

Wir  bemerken  bei  einer  Betrachtung  der  Weltereignisse  vor  und
nach  1500,  daß  es  eine  bewegte,  kriegerische  Zeit  ist.  Im  Jahre  1492
war  es,  daß  zum  ersten  Male  französische  Truppen  nach  Italien
sich  wandten,  um  dieses  anscheinend  herrenlose  und  doch  so  kostbare
  Land  sich  anzueignen.  Nicht  nur  Frankreich  und  die  italienischen