Ausgaben  und  Einnahmen  der  Fürsten  33

—  —  —  –—  —

Fürsten  wurden  dahinein  verwickelt;  durch  die  Verbindung  mit  Spanien,
  durch  die  Lehenshoheit  des  Reichs  über  Mailand  wurden  die
Habsburger,  damit  das  Reich  in  den  Streit  gezogen  und  auch  Eng—
land,  angestiftet  durch  die  Eitelkeit  König  Heinrichs  VIII.,  mischte  sich
in  Dinge,  die  es  gar  nichts  angingen.  Um  die  Mitte  des  fünfzehnten
Jahrhunderts  hatten  die  Osmanen  mit  der  Eroberung  von  Kon—
stantinopel  ihr  europäisches  Reich  fest  begründet,  ein  Volk,  das  nun
durch  Jahrhunderte,  immer  vordringend,  der  Fluch  seiner  Nach—
barn  werden  sollte.  Andernteils  bildete  sich  in  Osteuropa  gleichsam
als  Gegengewicht  gegen  das  Türkenreich  ein  Staat,  der  erst  viel  spä—
ter  von  gewaltigem  Einfluß  werden  sollte,  das  Großfürstentum
Rußland;  im  Norden  begannen  die  skandinavischen  Völker  in  das
politische  Leben  Europas  einzudringen.  Wir  finden  demnach  in  dem
Jahrhundert  1450—1550  bedeutende  kriegerische  Unternehmungen.

Nun  ist  der  Satz,  daß  man  zum  Kriege  dreierlei  brauche:  Geld,

Geld  und  wieder  Geld,  keineswegs  eine  Erfindung  Montecuccolis
im  siebzehnten  Jahrhundert  gewesen,  es  war  eine  alte  Erfahrung.

Immer  neue  Geldsummen  mußten  in  diesem  Jahrhundert  der  Kriege
aufgebracht  werden.  Neben  diesen  Kriegen  gab  es  aber  noch  andere
Ursachen,  weshalb  die  Fürsten  damals  viel  Geld  gebraucht  haben:

der  zunehmende  Luxus,  die  wachsenden  Bedürfnisse,  die  Baulust  und
Bautätigkeit,  die  allmähliche  Umwandlung  des  Lehensstaats  in  einen
Beamtenstaat.  Eine  Verwaltung  durch  Beamte  kostete  naturgemäß
mehr,  als  durch  Lehensleute.  Noch  etwas  Bedeutsames  kam  hinzu,
der  Krieg  selbst  veränderte  sich  ganz  seit  der  Erfindung  des  Pulvers,
  seit  dem  Aufhören  der  Lehensheere.  An  Stelle  der  Ritter  und
ihrer  Knappen  traten  Mietsoldaten.  Wie  sollten  diese  geworben  und
gezahlt  werden?  Wohl  hatte  meist  der  Krieg  den  Krieg  zu  ernähren,
auf  Plünderung  eroberter  Plätze  wurden  die  Söldner  angewiesen,
aber  das  langte  und  glückte  doch  nicht  immer,  woher  dann  den  Sold
für  sie  nehmen?  Die  Fürsten  besaßen  nicht  viel,  eine  regelmäßige
Steuergesetzgebung  gab  es  nicht,  es  waren  geringe  Abgaben,  die  dem
Fürsten  zufielen:  Zölle  bei  der  Einfuhr  und  Durchfuhr  von  Waren,
Einnahmen  aus  den  fürstlichen  Regalen,  aus  den  Bergwerken,  dem
Münzrechte,  aus  dem  privaten  Besitze;  dafür  mußte  der  Fürst  für
alle  Ausgaben  seines  Landes  aufkommen.  Das  Deutsche  Reich  hatte
kaum  nennenswerte  allgemeine  Einnahmen,  auch  die  Römermonate
(ein  Römermonat,  ursprünglich  die  Leistung  des  Reichs  zur  Romfahrt
  des  Königs  behufs  Krönung  zum  Kaiser,  dann  als  Kriegssteuer
beibehalten,  wird  um  diese  Zeit  mit  128  000  Gulden  festgesetzt)  waren

ANUnG#  123:  Weber,  von  Luther  zu  Bismarck.  I.  2  Aufl.  r-