Eutwicklung  des  Handels  35

tes  Handelsemporium  des  Mittelalters  anzusehen  ist  und  den  Han—
del  mit  der  Levante  fast  ganz  monopolisiert  hatte.  Im  fünfzehn—
ten  Jahrhunderte  werden  die  alten  Handelswege  zerstört,  den  Weg
in  die  Levante  verlegen  die  Osmanen,  im  Norden  sind  es  die  skandinavischen
  Völker,  die  sich  bemühen,  selbständig  zu  werden;  es  beginnt
jener  Gegensatz  zwischen  Skandinavien  und  Deutschland  sich  zu  rühren,
  der  zuletzt  zu  dem  großen  Kampfe  um  die  Ostsee  während  des
Dreißigjährigen  Krieges  geführt  hat.  Zugleich  regt  sich  die  Konkurrenz
  der  Niederländer  und  Engländer,  die  bald  lähmend  auf  den
deutschen  Handel  einwirken,  die  Macht  der  Hanse  zerstören  sollte.
Ein  gütiges  Geschick  hat  gegeben,  daß  gleichzeitig  neue  Verkehrsgebiete
  gewonnen  wurden  durch  die  Entdeckung  Amerikas.  Eine
ganze  Fülle  von  Artikeln,  die  man  bisher  gar  nicht  gekannt  oder
nicht  genügend  besessen  hatte,  konnte  jetzt  aus  der  Neuen  Welt  herübergeschafft
  werden.  Mit  diesen  anderen  Verhältnissen  ändert  sich
auch  die  Bedeutung  der  einzelnen  Städte.  Venedig  verliert,  Genna,
sein  großer  Rivale,  gewinnt;  Augsburg,  Nürnberg,  später  Frankfurt
  am  Main  treten  hervor;  die  Städte  treiben  nicht  mehr  bloß
eigenen  Handel,  sie  vermitteln  ihn,  der  Kommissionshandel,  die
Spedition,  entstehen.  Von  anderen  nichtdeutschen  Städten  sind  Antwerpen,
  Lyon,  Lissabon  als  besonders  aufschwungreich  zu  nennen.
Der  ewige  Antrieb  im  Menschen  zu  Spiel  und  Wette  wendet  sich
diesem  Gebiete  zu;  während  sonst  der  biedere  Deutsche  sich  begnügte
zu  wetten,  ob  das  kommende  Kind  ein  Knabe  oder  ein  Mägdlein
sein  würde,  wurde  jetzt  mit  hohen  Einsätzen  gewettet,  ob  das  in
Lissabon  oder  Genua  zu  erwartende  Pfefferschiff  eine  große  oder
eine  kleine  Ladung  bergen  würde;  von  der  Quantität,  die  da  auf
den  Markt  geworfen  wurde,  hing  ja  die  Höhe  des  Preises  dieses
kostbaren  Gewürzes  ab.  Man  hat,  nebenbei  gesagt,  Gewürze  damals
  in  Deutschland  sehr  geliebt,  da  die  gewürzten  Speisen  einen
„schönen“  Durst  zur  Folge  hatten.  Aus  der  Verbindung  des  ruhigen
  Handels  mit  der  tollen  Spiellust  der  Menschen  ist  dann  das
Börsenspiel  entstanden.

Gründlich  änderte  sich  im  gleichen  Verlaufe  der  Zeit  das  Geldwesen.
  Früher  begleiteten  bewährte  Vertrauensmänner  der  Handelsherren
  die  großen  Warenzüge,  die  etwa  von  Deutschland  nach
Italien  zogen,  ihnen  war  das  bare  Geld  anvertraut  für  ihre  Käufe,
sie  brachten  den  gemachten  Erlös  sorgsam  zurück  —  bei  der  Unsicherheit
  der  Zeiten  und  Straßen  ein  verantwortungsvolles  Amt.

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