36  Die  Fugger

Dazu  kam,  daß  das  Geld  unnütz  hin  und  her  reiste,  da  ja  gleichzeitig
  Käufe  und  Verkäufe  in  Deutschland  und  Italien  gemacht  wurden.
  Dieser  Gefahr  und  Unbequemlichkeit  machte  der  Wechselbrief
ein  Ende:  ein  harmloses  Stück  Papier,  leicht  verborgen,  das  auch
dem  wegelagernden  Ritter,  wenn  es  in  seine  Hände  fiel,  nichts
nützte,  das  eine  Art  von  Clearingverkehr  damals  ermöglichte.  Bald
bediente  man  sich  allgemein  der  Wechsel.  Die  ganze  Technik  dieses
neuen  Geldwesens  ist  in  Italien  entstanden  und  hat  sich  hier  ausgebildet,
  zuerst  in  Florenz.  Es  ist  bekannt,  daß  von  hier  der  Ausdruck
  Florenus  mit  seiner  Abkürzung  fl.  für  Gulden  abstammt;
ebenso  kommt  Groschen  „grosso“  aus  dem  Italienischen.  Auch  viele
andere  Ausdrücke  zeigen,  daß  Italien  das  Geburtsland  des  modernen
  Geldverkehres  ist,  wie  Giro,  Inkasso,  Konto,  Saldo,  Bilanz  usw.
Vornehmlich  die  Oberitaliener  haben  sich  neben  den  Vertretern
der  Kurie  als  besonders  geschickt  darin  gezeigt,  die  Chigi,  Rucellai,
Strozzi,  Ricasoli,  Medici  sind  mit  Geld  handelnde  Familien  gewesen.
  Wer  in  diesen  Dingen  Erfahrung  haben  wollte,  mußte  in
Italien  eine  Lehrzeit  durchmachen.  Von  der  Bank,  auf  der  der
Geldmakler  ursprünglich  in  den  primitivsten  Anfängen  dieses  Gewerbes
  auf  dem  Markt  saß,  auf  welcher  er  das  Geld  bei  Einnahme
und  Ausgabe  aufzählte,  ist  der  Name  für  das  Gewerbe  entstanden,
  Bank,  Bankier.  Unter  den  germanischen  Völkerschaften  zeigte
der  Holländer  die  meiste  Eignung  für  das  Geldwesen,  und  Hand
in  Hand  mit  dem  rasch  zunehmenden  Handel  dieses  Landes  entwickelten
  sich  nun  hier  die  großen  Märkte,  die  ursprünglich  alle
Vierteljahre  abgehalten  wurden,  oft  aber  das  ganze  Jahr  über
dauerten,  und  dann  entscheidend  gewesen  sind  für  den  Geldverkehr;
hier  entstanden  die  Börsen.  „Burse“  hieß  der  Ort,  an  dem  zuerst
in  Brügge  derartige  Geschäfte  abgeschlossen  worden  sind,  davon
kam  dann  der  ins  allgemeine  übertragene  Name  „Börse“.  Brügge,
zuerst  da  tonangebend,  verlor  bald  seine  Stellung,  die  an  Antwerpen
  überging.  Als  Zinsfuß  für  die  Geldgeschäfte  waren  zuerst  3  0%
vierteljährlich,  also  12  %  jährlich  üblich.  Später  begnügte  man
sich  auch  mit  einem  geringeren  Zinsfuße,  wenn  die  Sicherheit  entsprechend
  war;  als  der  erste  Spekulationsrausch  vorüber  war,  verschmähte
  man  es,  auf  gefährliche  Art  rasch  reich  werden  zu  wollen
  und  begnügte  sich  mit  sicheren  5  %.  Die  unsicheren  Fürsten,  die
nicht  zahlen  mußten,  hatten  naturgemäß  andere  Prozente  zu  zahlen:
  20  ja  selbst  50  %  sind  da  nichts  Seltenes.  Bei  den  Städten
stand  es  wesentlich  besser.