Der  Reichtum  der  Fugger  39

dann  in  die  Heimat  zurück,  führte  die  schöne  Sibylle  Arzt  als
Ehefrau  heim  und  wurde  bald  die  Seele  aller  großen  Unternehmungen
  des  Hauses;  1494  gründete  er  mit  seinem  Bruder  Georg  eine
Handelsgesellschaft  für  den  Vertrieb  von  Spezereien,  Seide,  Wolle
in  Italien,  Tirol  und  Deutschland.  Diese  Fugger  handelten  mit
Wolle,  fertigen  Tuchen,  Leinwand,  Seide,  Sammet,  Leder,  Nüssen,
Apfelsinen,  Safran,  Bernstein,  Edel=  und  Halbedelmetallen;  sie  verfrachteten
  die  Gemälde  Albrecht  Dürers;  sie  vermittelten  Bestellungen
  auf  zu  verfertigende  Sachen  von  Ort  zu  Ort.  Charakteristisch
  für  sie  ist  auch  der  Umstand  geworden,  wie  sich  die  Familie
untereinander  zusammenschloß,  die  Geschäfte  unter  sich  verteilte.
Da  besorgte  z.  B.  der  eine  die  Straße  nach  Mailand,  der  andere
die  nach  Nürnberg,  ein  dritter  die  nach  Antwerpen,  während  der
Alteste  die  Oberleitung  in  Händen  behielt.  Bis  nach  England  gingen
  ihre  Sendungen.  Frühzeitig  hatten  sie,  wie  schon  erwähnt,
einen  Vertreter  in  Rom,  der  an  der  Kurie  die  Geschäfte  vermittelte.
Etwa  im  Jahre  1472  schrieb  der,  es  müsse  Geld  in  einer  Sache
nach  Rom  geschickt  werden:  „am  sichersten  aber  werdet  Ihr  mit  der
Sendung  gehen,  wenn  Ihr  das  Geld  meinem  Bruder  oder  einem
meiner  Angehörigen  anvertraut  und  dafür  nur  einen  einzigen  kleinen
  Schein  an  mich  empfangt.“

Gleichzeitig  betrieb  Jakob  II.  Bankgeschäfte  und  monopolisierte
dic  Bergwerke;  1505  vereinigte  er  sich  mit  den  Welser  und  Hochstetter
  zu  einer  Handelsgesellschaft  nach  Ostindien.  Er  war  ein
Mann,  der  zu  sagen  pflegte:  „Ich  will  gewinnen,  so  lang  ich  kann.“
Dabei  ein  Mann  von  stählernen  Nerven,  von  dem  man  berichtet,
er  habe  seine  Sorgen  mit  dem  Hemde  ausziehen  und  in  einem  tiefen
ruhigen  Schlafe  Erquickung  für  seine  ermüdeten  Sinne  finden  könneu.
  1511  wies  die  Bilanz  der  „Gebrüder  Fugger“  ein  Vermögen
von  211.000  Dukaten  aus,  fünfundzwanzig  Jahre  später  drei  Millionen,
  noch  ein  Jahrzehnt  später  fünf  Millionen.  Es  ist  das  für  die
damaligen  Verhältnisse  ein  ungeheures  Vermögen,  das  nur  etwa  mit
dem  der  heutigen  Rotschilds  verglichen  werden  kann.  Der  Gewohnheit
  der  Zeit  entsprechend,  haben  sie  großen  Grundbesitz  erworben.

Wie  es  sich  für  die  Bankiers  der  Habsburger  und  der  Päßpste
ziemt,  sind  sie  treue  Söhne  der  katholischen  Kirche  geblieben;  wir
wissen  aus  früheren  Zeilen,  wie  Luther  sie  beurteilt  hat;  andere  wie
die  Welser  sind  zur  neuen  Lehre  übergetreten,  trotz  der  Feindschaft
derselben  gegen  Zinsgewinn,  die  freilich  dann  auch  mit  dem  Gebote
der  Zeit  sich  abfinden  mußte.  In  großartiger  Weise  benützten  die